Ästhetischer MehrwertExperten diskutierten den Klassiker: über die drei Berliner Opern16.Febr. 2009Der Pariser Intendant Gérard Mortier verteilte Streicheleinheiten, Berlin sei die „Opernstadt par excellence, viel mehr als Paris“. Er stützte das mit Vergleichszahlen und erzählte von seinen viermaligen Anläufen, an die Spree berufen zu werden – unter anderem mit dem Vorschlag, die Deutsche Oper in eine „Neue Oper“ umzuwandeln, sang ein Loblied auf Felsenstein und die Kroll-Oper. Klaus Zehelein, Ex-Stuttgarter Intendant und Präsident des Deutschen Bühnenvereins, forderte ein europäisches Zentrum für die Entwicklung eines neuen Musiktheaters, an dem alle drei Berliner Opernhäuser sich beteiligen sollten und das ein Musiktheater der Zukunft unter Einbeziehung der neuen Medien schaffen würde. Eingeladen zu einem vierstündigen Colloquium hatte die Zeitschrift „Opernwelt“ unter dem Motto „Aufbruch und Ärgernis“. Und neben den heimischen Opernintendanten waren auch überregionaler Sachverstand und die Politik ins Berliner „Radialsystem“ gebeten. Die Opernstiftung, in der die drei Berliner Häuser seit 2004 zusammengefasst sind, war kürzlich wieder ins Blickfeld gerückt, als über Nacht ein neuer Generaldirektor, Peter F. Raddatz, ernannt wurde. An der Staatsoper und an der Deutschen Oper stehen Intendanten-Wechsel bevor. Mortier rief denn auch beide Häuser auf, ernsthaft neu über eine Fusion nachzudenken, die die ewigen Streitereien um Gelder und ums Repertoire beenden würde. Wichtiger sei darüber zu diskutieren, „warum machen wir Oper, was wollen wir mit unserem Opernrepertoire erzählen und wie spielen wir diese Stücke, sodass ein neues Publikum angezogen werden kann durch eine programmatische Idee?“ Und der kommissarische Chef der Stiftung Stefan Rosinski mahnte, wenn man so weiter mache wie bisher, sei man 2013 pleite. Wenig Überzeugendes hatte Kirsten Harms dem Fusions-Vorschlag Mortiers entgegen zu setzen. Bescheiden als Lernender gab sich Jürgen Flimm, während Andreas Homoki, Intendant des am schlechtesten wirtschaftenden Hauses Komische Oper, sich arrogant aufs ganz hohe Ross setzte. Barbara Kisseler, Chefin der Senatskanzlei, pflichtete Mortier immerhin indirekt bei: dem Publikum sei es „völlig egal, wer wo was macht, solange es überzeugt und einen ästhetischen Mehrwert abwirft.“ Fast einig war man sich in der Einschätzung, dass die Opernstiftung keinen Ewigkeitswert habe. Gegründet war sie ja worden, um die dreigliedrige Berliner Opernlandschaft zu erhalten, wenn auch auf einem finanziell niedrigen Niveau. Dagegen wetterte die Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters, die sich auch vehement gegen Mortiers Fusions-Überlegungen wandte. Die besondere Herausforderung Berlins seien eben „diese drei Häuser“. Sie gelte es finanziell vernünftig auszustatten und zu integrieren in einer reformierten, von der Politik unabhängigen Stiftung mit Stärkung des Generaldirektors. Man dürfe die Stiftung nicht als „Alibi für miese Einsparungen nehmen“. Nur auf Drängen des Bundes, als Gegenleistung für die Rekonstruktion der Staatsoper, habe das Land zuletzt seine Subventions-Absenkung etwas revidiert. Entscheidung der Bundesregierung zur Mitfinanzierung der Sanierung der Staatsoper06.07.2006Das Bundeskabinett beschloss auf seiner Sitzung am Mittwoch
(05.07.06), dass sich der Bund ab 2009 mit 50 Mio. € an der Sanierung
der Staatsoper beteiligen wird. Zuvor hatten sich Kultursenator Flierl und Staatsminister
Neumann auf das von der Opernstiftung
ausgearbeitete, vom Senat gebilligte und vom Abgeordnetenhaus zur
Kenntnis genommene Sanierungskonzept im finanziellen Umfang von 130
Mio. € geeinigt. Der Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper
wird sich mit 30 Mio. € an den Sanierungskosten beteiligen, sofern
die übrigen Baukosten durch Land und Bund getragen werden. |
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