Meinungen - Diskussionen
Von: Frank B., 29.04.07
Betreff: GLUCK,
Iphigenie auf Tauris, Komische Oper Berlin,
22.04.07
Sehr geehrter Herr Kühn,
am
23.4.07 hörte ich im DLF Ihre Kritik über die Oper „Iphigenie auf
Tauris“, die ich am Tage zuvor selbst in der Komischen Oper Berlin gehört und gesehen
hatte. Dass Sie einen Verriss produzieren würden, hatte ich fast
erwartet, nachdem schon die Essener Kosky-Inszenierung von „Tristan und
Isolde“ im gleichen Sender sehr schlecht weggekommen war. Da war der
Deutschlandfunk meines Wissens übrigens das einzige Medium, das nicht
begeistert war. (Andere nannten die Aufführung „sensationell“) Damals
sprach Rezensent von freundlichem Beifall. Welch eine Fehlinformation
schon damals: Ich hatte standing ovations für Musik und Regieteam
erlebt. Nun Ähnliches bei „Iphigenie“.
Sie berichten von Zuschauern, die immer wieder Richtung Saaltür
„...sickerten“, von einer „länglich wirkenden Aufführung“, „gähnender
Ödnis“. Ich habe dagegen eine Spannung erlebt, die die Zuschauer vom
Anfang bis zum Ende nicht los ließ. So sieht es übrigens auch die
„Berliner Morgenpost“: „…Sie [die Aufführung] entlässt … das Publikum
keinen Augenblick aus ihrem bezwingenden Bann.“ Ich saß im Parkett und
sah ganze drei Zuschauer den Saal verlassen. Das aber sind
Beobachtungen, die eigentlich nebensächlich sind. Was aber berichten Sie
über die Inszenierung selbst?
Während andere Kritiker natürlich auch über die albtraumhaften
Gewaltszenen informieren, sie aber einordnen können und dann z. T. sehr
differenziert über die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere in dieser
Inszenierung sprechen, sind in Ihrer Rezension wirkliche Informationen
über das, was Regie und Bühnenbild zeigen und entwickeln, kaum
vorhanden. Wäre das aber nicht die Aufgabe eines Kritikers?
Stattdessen trieft nahezu jeder Ihrer Sätze von Häme, von den
„spätpubertären Fantasien des Regisseurs“ über die „großen Bratpfannen“
der „Plasma-Aufbereitungsanlage“ bis zu der „Gruppe von Senioren … nur
mit Höschen bekleidet“. Haben Sie wirklich nicht gespürt, welche
Innigkeit und Menschlichkeit durch die halbnackten Eltern entstand? Mit
Ihrer unsachlichen, herabwürdigenden Ausdruckswahl sind Sie der Aufgabe
eines Kritikers auch nicht ansatzweise gerecht geworden.
Selbstverständlich gehört es zu Ihrer Aufgabe zu sagen, wenn eine
Aufführung nach künstlerischen Maßstäben missglückt ist, und natürlich
dürfen Sie auch diese Aufführung schlecht finden. Aber das müssen Sie
intellektuell sauber begründen. Das jedenfalls erwarte ich von einer
Kritik im Deutschlandfunk, der schließlich keine Boulevardzeitung ist.
So ist das Missglückte dieser Oper wohl nicht die Regie, sondern Ihre
Kritik, die weit von einer seriösen Arbeit entfernt ist. Schade!…
Mit freundlichen Grüßen Frank B.
Antw.: 30.04.07
Sehr geehrter Herr B.,
ich selbst bin nur verantwortlich für das, was ich sage. Beim
„Tristan“ in Essen war ich nicht. Ich kenne nur Koskys Berliner
Inszenierungen, und auf die beziehe ich mich.
Es freut mich, wenn Ihnen die Aufführung gefallen hat. Ich kann aber mit
aufgepappten TV-Bildern, die das Grauen nachstellen wollen aber nur
benutzen, nicht allzu viel anfangen im Theater. Ich weiß nicht, wo Sie
genau saßen. Jedenfalls gingen ab Mitte der Vorstellung immer wieder
Leute weg. Wie ich vom Personal hörte: mit Flüchen.
Ich denke, ich habe die Aufführung beschrieben mit der Gründlichkeit,
die in knapp vier Minuten möglich ist. Und ich habe sie in den
Zusammenhang von Koskys anderen Inszenierungen am der Komischen Oper
gestellt, insbesondere den „Grand Macabre“. Ein anderer Ausdruck als
pubertär kommt mir da wirklich nicht in den Sinn. Was andere Kollegen
sagen, ist ihre Sache. Jeder hat seine Biographie, seine Erinnerungen,
seine ästhetischen Maßstäbe. Ich erwarte vom Theater schon
Theater-Mittel, nicht nur äußerliche Reizmomente als Surrogat.
Das gleiche Thema hat übrigens ja auch Sebastian Baumgarten mit
seinem Händel-„Orest“ am gleichen Ort bearbeitet. Und er hat es wirklich
bearbeitet und nicht nur benutzt. Das ist der Unterschied, ohne dass ich
Baumgarten nun für einen Super-Regisseur halte.
Haben Sie dennoch Dank für Ihre Kritik der Kritik und seien Sie
gegrüßt, gfk
Von: A.B., Magdeburg
-
Sehr geehrter Herr Kühn,
ich bin eine der ignoranten Magdeburger, die frenetisch Beifall für die
modische Attitüde "Orpheus und Eurydike" gespendet hat. Ach, ist das
schön, wenn man wieder einmal gesagt bekommt, wie leicht man zu
unterhalten ist. Gott sei Dank war ich ja nicht allein so kleingeistig,
mich über diese Opernpremiere zu freuen. Zum Glück haben es die anderen
Magdeburger auch noch nicht gemerkt, dass sie mit Mittelmäßigkeit
abgespeist werden, denn diese Oper ist stets sehr gut besucht. Aber
wahrscheinlich sind die Aufführungen im unbedeutenden Theater Magdeburg
so schlecht, dass Orpheus und Eurydike wie ein Komet herausragt. Vielen
Dank, dass Sie mir die Augen geöffnet haben und ich meine Dummheit
erkannt habe.
Vielleicht haben Sie ja einen Tipp, wo man richtig gutes
Musiktheater erleben kann... (nur damit ich mal vergleichen kann)
Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank
Anna B., 21.02.2006
Sehr geehrte Frau B.,
vielen Dank für Ihre Replik. Ich finde es gut, dass Sie sich so in
Sachen Oper engagieren. Es ist sicher so, dass diese Produktion
herausragt aus dem was sonst in Magdeburg angeboten wurde und wird. Aber
ich kann es ja nicht allein daran messen, was lokal wichtig erscheint.
Und ich gehe bei meiner Beurteilung doch noch von etwas anderen
Koordinaten aus.
Zum Beispiel historischen. Der Glucksche „Orfeo“ ist eine so genannte
Reform-Oper. Die Schöpfer beabsichtigten (im Rückgriff auf die
ursprüngliche Idee der Oper im frühen 16.Jahrhundert), Musik, Tanz und
Sprache zu einer Einheit neu zu verschmelzen. Deswegen etwa auch der
Griff zu diesem mythologischen Sujet. Vor dem „Orfeo“ haben
Gluck-Calzabigi-Angiolini an Balletten gearbeitet, die in damals ganz
neuer Weise musikalisch-szenisch zu erzählen versuchten - die Basis für
den Ausdruckstanz am Beginn des 20.Jahehunderts. In der „Orfeo“-Musik
ist das deutlich zu spüren.
Es zeugt mithin von ziemlicher Unsensibilität, wenn man einen
Regisseur mit einer solchen Inszenierung beauftragt, der weder zur Musik
noch gar zum Tanz eine nähere Affinität zeigt. Bei Kriegenburg läuft dann
eben auch alles nebeneinander her, ergänzt sich nicht, kommentiert nicht
einander. Das ist der Vorwurf an die Theaterleitung, die solches (aus
welchen Gründen auch immer) programmiert. Und sehr zum Positiven hat
sich das in den letzten zwei Jahren leider immer noch nicht gewendet.
Wohlweislich lässt man sich im Programmheft auf tiefere Erörterungen
über Motivationen für diese Produktion auch gar nicht ein, benutzt statt
dessen die mit ganz anderen Intentionen im 19.Jahrhundert gefertigte
Berlioz-Fassung, die das eigentliche Ausdruckspotenzial dieses Stücks
stark verwässert. Im Grunde müsste man Herrn Kriegenburg gegen das
Theater verteidigen. Er schien sich auch selbst gewundert zu haben über
die Reaktionen bei der Premiere.
Was die Frage anlangt, wo man „richtig gutes Musiktheater erleben
kann“, darf ich Sie auf meine Webseite verweisen, wo Sie ja auch sicher
meine Kritik gelesen haben. Sie werden dort genügend Hinweise und Links
finden.
MfG
gfk
Von K.Wallner
Date: 22.06.2004, Thema: Semperoper
Sehr geehrte Opernfreunde,
ich bin mir nicht sicher, ob ich bei Ihnen an der richtigen Adresse bin,
aber ich hoffe, Sie können es vielleicht an die richtige Stelle
weiterleiten.
Für uns 4 Personen war der 20.06.2004 ein besonderer Tag, da wir sehr gute
Plätze für den Rosenkavalier in der Semperoper hatten. Leider sind
wir alle zusammen mehr wie enttäuscht, eigentlich entsetzt über diese
Inszenierung. Nichts gegen die wunderbaren Stimmen, aber darf es sein,
dass man Österreicher bzw. Bayern als Volltrotteln, versiffte hässliche
Männer die auch vor einer angedeuteten Vergewaltigung nicht zurückschrecken
darstellen darf und das in einer Oper? Ich glaube da wurde entschieden zu
weit gegangen. Auch im 3. Akt wurde sehr klar, welche schweren psychischen
Problemen dieser Intendant in sich trägt. Dazu möchte ich auch nicht
weiter ausholen. Schade ist nur, dass wir das ansehen mussten. Schade um
den schönen teuren Abend.
MfG S.Wallner
Von: Alina Hatko
Gesendet: Dienstag, 11. Dezember 2001
Betreff: hi!!
Hallo!!
Ich finde eure Seite toll!!
Ciao (Alina 11 Jahre)