Ein bisschen selbstsüchtig sei er schon auch, sagt Sir Simon. Das
Lustprinzip gilt. Deshalb habe er als Hauptwerk für seinen
Eröffnungsabend Mahlers Fünfte gewählt. Auch habe er etwas
spielen wollen, was eng mit ihm und mit dem Orchester verbunden sei. Und
dann sei mit Mahler ja auch erst mal Schluss.
Die Spannung war hoch und man spürt sie noch bis ins Konzert. Überall in
der Stadt hängen Plakate an den Litfasssäulen, von denen Rattle sein
überwältigend erstauntes breites Lächeln lächelt. Seine Plattenfirma hat
die Aktion mitgesponsert. In Zehntausenderauflage haben die Abonnenten
die Doppel-CD Welcome Sir Simon! zugeschickt bekommen mit Aufnahmen
auch sämtlicher fünf Vorgänger Rattles auf
dem "Hochsitz" des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Der
Mitschnitt des Eröffnungsabends wird in wenigen Wochen ebenfalls in den
Plattengeschäften ausliegen. Als "Stiftung Berliner Philharmoniker", die
das einstige Berliner Philharmonische Orchester jetzt ist, lässt sich so
was einfacher lancieren.
Das Halbstundenstück, mit dem Sir Simon Rattle seine zehnjährige
Amtszeit in Berlin beginnt, hat er vor fünf Jahren in Birmingham
uraufgeführt. Thomas Adès’ Asyla ist ein Stück mit klaren
Lineaturen, immer wieder aus der Stille des Konzertsaals gleichsam in
die lärmende Außenwelt von heute dringend. Der dritte Satz "Ecstasio"
ist wie dekomponierter Techno mit seinem harten rhythmischen Beat. Der Schlusssatz mit
einem vierteltönig tiefer gestimmten Klavier signalisiert aber auch
etwas von einer nostalgischen Sehnsucht zurück in ruhigere Zonen. Tabu.
Vielleicht keine „große“ Musik ist dies Stück, aber es zeigt
Programmatisches.
Es verdeutlicht etwas von dem, was Rattle will mit dem Orchester. Zum
21.Jahrhundert hin will er es öffnen. Kommunikation ist sein Zauberwort.
Dafür auch hat er bestanden auf dem, was man in der angelsächsischen
Welt Education-Programm nennt. Das
Orchester kann nicht mehr erwarten, dass auch die jungen Leute in seine
Konzerte kommen. Man muss "hinausgehen" zu ihnen, sich und seine Arbeit
ihnen vermitteln - etwa indem man mit einer Gruppe Jugendlicher eine
Tanzversion von Strawinskys Sacre erarbeitet und aufführt.
Fragen, ob das auch wirklich funktioniert,
beantwortet Rattle mit einem insistierenden "es muss, es muss" - aber,
sagt er, sicher nur auf lange Sicht und mit Beharrlichkeit.
Die Mahlersche Fünfte, die er, technisch perfekt gespielt
vom Orchester, dirigiert - es ist nicht der fast impressionistische
Klang, den ein Claudio Abbado so zauberisch hervorzulocken wusste.
Rattle schärft die Kontraste, lässt die Blöcke hart aufeinanderprallen,
fast bis zum Zerbrechen. Er kommt ja vom Schlagzeug und vom Klavier, das
schon ein Bartók auch wie Schlagwerk zu behandeln wusste. Und doch hat
der Marsch des ersten Satzes bei Rattle auch immer etwas Leichtes,
Wienerisch schwebend-schwingend Beschwingtes. Den dritten Teil
mit dem berühmten hier als großer
Liebesgesang atmosphärisch äußerst verdichteten Adagietto und mit dem
Rondo erlebt man als eine einzige furiose Schlusssteigerung. Jubel.
Als Dankeschön und Wanderhilfe wieder herunter von der Klimax ("warum
nicht was extra?") schiebt er noch den Ungarischen Tanz Nr.3
nach von Brahms. Aber das fast ist ein Seufzer hin zu dem
Kern-Repertoire, das jahrzehntelang das der Berliner Philharmoniker war
und aus dem man nun erstmal ausbrechen will. Hin zu neuen Ufern.
▲
Frühlingsopfer
Die Musik erobert sich mit Sacre neue Räume in Berlin
28.Jan.2003
Wie ein Popstar wurde er gefeiert von dem gut 2000-köpfigen sehr
jugendlichen Auditorium: Sir Simon Rattle. Dabei waren die 240
Schülerinnen und Schüler auf der Bühne der Arena in Treptow der
eigentliche Star mit ihrer Massenperformance von Igor Strawinskys
einst umstürzlerischer Musik des Sacre du printemps. Es war das erste große
der "Education"-Projekte
Zukunft@BPhil,
mit denen Berlins Philharmoniker raus
wollen aus ihrem Elfenbeinturm. Schülerinnen und Schüler aus diversen
Berliner Schulen waren eingeladen. "Richtig power"
fand eine der Solotänzerinnen diese Musik, für eine andere war sie
erst ein „Schock“, aber durch den Tanz verband sich für sie doch mit
jedem Ton eine Vorstellung, eine dritte fühlte durch die Arbeit sich
"befreiter". Es ist was "Wunderbares", meinte sie, zumal wenn man mit
Leuten, die man sonst nur im Fernsehen, in der Zeitung sieht, arbeiten
und sie sogar anfassen kann.
"Eine große Reise" war dies für Sir Simon und seine Philharmoniker, wie er
beim Pressegespräch sagte. "Nichts erregt einen, wenn es nicht auch
riskant ist", sagte er. Und dies war riskant. Jeder habe die
Herausforderung gespürt und auch die Inspiration. Und die Bedeutung
dieser Anstrengung könne man gar nicht überschätzen. Alle mussten sie
umdenken, auch die Musiker, die zuvor in die Klassen ausschwärmten, um
den Schülern durch Improvisation etwas von dieser Musik zu vermitteln.
"Selbstvertrauen und Kreativität" solle diese Arbeit fördern, so einer
der Tutoren, Richard McNicol, und
die Ergebnisse konnten sich hören lassen. Choreograf dieser Produktion
war Royston Maldoon. Vielfach schon hat er derartige Projekte geleitet,
sich um Jugendliche gekümmert in sozialen Randzonen und an politischen
Brennpunkten von Litauen bis Südafrika. Er will den jungen Leuten
helfen, gehört zu werden, sich selbst zu finden, ihr Selbstwertgefühl
zu stärken. Strawinskys Musik lässt er die Jugendlichen als
Kampfgetümmel widerstreitender Gruppen mit Läufen, heftigen Arm- und
Körperbewegungen versinnbildlichen. Höhepunkt, wenn eine Art blaues
Erdmonster die Figuren in sich einzusaugen scheint.
Maldoon verbindet damit eine Aufforderung
an die Jugendlichen zu widerstehen, sich nicht vereinnahmen zu lassen
durch die Mächtigen und Großen. Es gehe ihm mit dieser Arbeit nicht
nur darum, die Künste zu den jungen Leuten zu bringen, sagt er, es sei
auch im wohl verstandenen Eigeninteresse der Künstler. Wenn es weiter
gehen solle in den Künsten, müssen Leute aus allen Schichten dieser
Gesellschaft sich beteiligen können. "Deswegen helfen wir uns selber,
wenn wir die Künste hinaustragen. Damit bringen wir die zukünftigen
Künstler herein."
Jahrmarkt der Ideen: Strawinskys
Petruschka
als zweites großes Education-Projekt
13.Juni 2003
Das Foyer der Philharmonie ist jahrmarkt-bunt. Pappmaschee-Figuren
auf Stelzen schmücken den blau, rot, grün mit Bildern ausgehängten
Raum: Die Ballerina figuriert als Schwan, der dumme August als
Hampelmann, der Petruschka als Pinocchio. Zum Leben erweckt werden
sie in dem neuen Education-Projekt mit der Musik Strawinskys und
anderer.
McNicol: Wir haben viele verschiedene Gruppen, die
zusammenspielen werden, ein bisschen Ives, Musik von allen Seiten;
wir haben Clowns, Akrobaten, Tanzen, und in der Mitte von diesem
Jahrmarkt kommt die Geschichte von Petruschka mit Marionettenspielen
und mit 10-12 Mitgliedern der Berliner Philharmoniker, die Musik von
Petruschka spielen werden; wir haben drei Schulen, die ihre eigene
Musik erfunden haben, die im Rahmen dieser Aufführung spielen
werden.
So sagt es Richard McNicol, der Leiter des Projekts. 13
Schulen insgesamt haben sich beteiligt. Um Puppentheater, Tanz,
Zirkus, Dekoration kümmerten sich jeweils eigene Gruppen.
McNicol: Am wichtigsten ist, dass die Kinder die Musik von
Strawinsky verstehen, lieben, aber auch ihre eigene Musik
erfinden mit Kollegen von den Berliner Philharmonikern. Wir
arbeiten immer als Kollegen.
Noch höher hinaus will man kommende Saison, wenn Stücke von
Heiner
Goebbels, György Kurtág und György Ligeti
auf dem Programm stehen.
McNicol: ...mit Film, mit Tanz; wir suchen immer nach neuen
Projekte, damit wir was Frisches machen können.
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Bei Haien und Killerwalen
Die Berliner Philharmoniker gehen ins Kino und spielen die Musik zu
Deep Blue – einem faszinierenden Film über unsere Meere
Seit 29.Jan.2004 ist er in den Kinos
Die Bilder sind berauschend: Wenn Pinguine wie Torpedos durchs Wasser
hoch schießen, um auf der Eisplatte zu landen; wenn Schwärme von Sardinen
wie ein Dönerspieß im Wasser sich drehen und Thunfische ihre räuberischen
Attacken starten; wenn Armeen von Soldatenkrabben marschieren und
Sandstrände durchpflügen; wenn in tausenden Metern Tiefe transparente
Lebewesen ihre Lichtblitze aussenden, um Partner anzulocken oder Feinde
abzuwehren. Deep Blue. Der Kinofilm nach einer achtteiligen Sendereihe
der BBC, geschnitten aus 7.000 Stunden Material, von zwanzig Kamerateams
gedreht in fünf Jahren an über 200 Schauplätzen – für die musikalische
Untermalung sorgten die Berliner Philharmoniker.
BREM: Es ist eine wirkliche Premiere, hat es bis heute in der
120jährigen Geschichte des Orchesters noch nicht gegeben.
So Peter Brem, Medienvorstand des Orchesters, bei der offiziellen
Deutschland-Premiere. Wie es dazu kam?
BREM: Das war eine ulkige Sache. Es hat sich einer der Produzenten mit
einem Kollegen von mir im Restaurant getroffen und die beiden Frauen
dieser Herren kannten sich, und dann sind die ins Gespräch gekommen, dann
wurde die Visitenkarte mir zugespielt und ich habe mich mit Herrn
Tassioulis von „Greenlight Media“ in Verbindung gesetzt. Es war eine sehr
positive Zusammenarbeit, die von Anfang an hat geklappt hat. Die Chemie
war eine besonders schöne.
Die Musik von George Fenton, der schon für Filme wie Ghandi, Schrei
nach Freiheit oder König der Fischer die Scores schrieb, ist überwiegend
klassisch, die Bilder emotional verstärkend. Aufgenommen wurde sie in der
Berliner Philharmonie im letzten Mai.
BREM: Das Phänomen von George Fenton ist, dass er zu jeder Tiergattung
– also der große Haifisch und der kleine Hering -, er trifft immer genau
die Bewegung und die Ausstrahlung des kleinen oder des großen Tiers mit
seiner Musik. Natürlich ist bei einem Wal von zwanzig Meter Länge die
Musik schwerer, ruhiger, langsamer als wenn ein paar hundert Pinguine bei
minus 40° sich fortbewegen.
Wie Nomaden der Lüfte, der Vögel im Flug begleitet, ist auch Deep
Blue ein Film für die ganze Familie, vertrieben im gleichen
Verleih.
Dezent ist er in den Kommentaren, spannend durch die Kampfszenen, wenn die
Kameraleute etwa Killerwale beobachten, wie sie Seelöwen-Babies durch
In-die-Luft-Schleudern zur Strecke bringen oder ein Grauwal-Baby so lang
zu Tode hetzen, bis es aufgibt. Spannend ist er auch durch die ungewohnten
Einblicke, wenn um die Brutkammern der Meere, die vulkanischen Schlote mit
ihren rauchenden, kochenden Auswürfen, Abermillionen Kleinlebewesen sich
drängen und gedeihen, ganz ohne Sonnenenergie. Und die Musik ist ein
wesentliches Moment der filmischen Dramaturgie.
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Der Film zu Strawinskys Ballettmusik Le sacre du printemps
Uraufführung zum Ende der Filmfestspiele in Berlin am 15.Februar
2004
Die Bilder haben etwas Magisch-Geheimnisvolles. Eine schwarze Frau
sieht man in einer Küche. Sie modelliert drei Figuren. Die eine ist
Dr.Bardot, ein Hirnchirurg. Wie aseptisch geschleckt ist seine
Wohnung, sein Arbeitsplatz. Eine zweite Figur ist Esther. Sie lebt
versunken in Trauer, schläft wie Schneewittchen im Sarg, steuert ihre
DS am liebsten zum Friedhof. Schließlich Lucia: ein junges
Mädchen. Vom Vater missbraucht, klaubt sie sich, das Haar immer anders
gefärbt, Männer von der Straße. Zwanghaft will sie sich von ihrem
Makel befreien. Dann finden sich alle drei wieder auf einer exotischen
Insel. In einem Haus am Meer tanzen nackte Menschen mit enthusiastisch
erhobenen Armen zu Strawinskys Sacre-Musik. In dem Haus verstreut:
seltsame Altäre, Cohibas rauchende Frauen, Priester, Zwerge. Hühner
werden geschlachtet. Ein Ritual. Angeregt wurde der Film durch ein
Buch von Alejo Carpentier.
ZIMMERMANN: Dort gibt es eine Begebenheit, dass eine Ballerina aus
Europa zusammen mit einer Hauptfigur des Buches nach Kuba kommt und
selber dort weiter arbeiten möchte und stellt fest, dass die
Kubanischen Tänzer insbesondere die der Santeria sich besonders dafür
eignen, Sacre zu inszenieren.
So Robert Zimmermann. Er hat den Film von Oliver Herrmann und
Robert Hunger-Bühler, einem der Darsteller,
produziert.
Herrmann verstarb im
September letzten Jahres, kurz vor Vollendung des Films. Ursprünglich
wollte man einen Spielfilm nach dieser Geschichte drehen. Dann aber
beschränkte man sich auf eine allerdings sehr bildkräftige stumme
Begleitung zu Strawinskys epochaler Musik. Das Verbindende: das
Reinigungsritual – hier der Santeria, einer lichteren Variante zu
Voodoo, heute noch stark verbreitet in Kuba und Miami.
ZIMMERMANN: Die Santeria ist eine Religion, die ursprünglich mit den
Sklaven, die aus Afrika deportiert wurden nach Zentralamerika
mitgekommen ist und im Zuge der "Bekehrung" zum Katholizismus haben
diese Sklaven ihre alten Götter aus Afrika, aus der Yorouba-Religion
beibehalten und haben sich Parallelwelten geschaffen. Sie haben sich
für die Heiligen aus der christlichen Kirche ihre Götter mitgenommen.
Auf den ersten Blick mögen die Bilder verwirren. Was sich am Ende aber
leicht erschließt: wie drei Menschen hier versuchen, von ihren
Obsessionen sich zu befreien.
ZIMMERMAN: Zum Beispiel die Schutzheiligen der drei Hauptdarsteller -
dass sie alle ihre eigene Farbe haben.
Das repräsentiert wieder einen
eigenen Gott der Santeria, und die Symbole, die sich durch den ganzen
Film ziehen, das wird schon interessant für jemand, wenn man sich ein
bisschen mit davor beschäftigt.
Uraufgeführt wurde der von verschiedenen Fernsehstationen angekaufte
Film am Ende der Berliner Filmfestspiele. Die rauschhafte
„Begleitmusik“ spielten die Berliner Philharmoniker live mit Sir Simon Rattle am Pult.
Den Streifen hat Rattle sich in der Entstehungsphase mehrmals
angesehen. Sein Eindruck, wie Zimmermann ihn empfand.
ZIMMERMANN: Ich glaube er war sehr angetan davon, vor allem die Kraft
aus diesen Bildern und der "Urmutter der Filmmusik“ - Sacre hat ihn
doch sehr beeindruckt und sehr begeistert.
▲
Das Education-Programm der Berliner Philharmoniker
für NZZ 15.Okt.2004
Seit zwei Jahren üben sich Berlins Philharmoniker auch als
Musikpädagogen. «Education» heißt das Zauberwort, das dem Verfall des
Musikunterrichts in den Schulen und einem möglichen Vergreisen des
Konzertpublikums entgegenwirken soll.
Spektakulär begann es, als Orchesterchef Simon Rattle in der
«Arena», einer riesigen Halle im Bezirk Treptow, den Einsatz gab für
Strawinskys «Sacre du printemps» und eine Schar von fast
zweihundertfünfzig Schülerinnen und Schülern eine Performance unter
der Leitung von Royston Maldoon tanzte vor zweitausend Besuchern. Ein
soeben angelaufener Film, «Rhythm Is It!», dokumentiert dieses
Ereignis. Eingestimmt worden waren die Jugendlichen in Workshops auch
auf die Musik; unter Leitung des inzwischen nach England
zurückgekehrten «Geburtshelfers» Richard McNicol improvisierten sie
zusammen mit einzelnen Philharmonikern über Themen aus Strawinskys
Partitur. Zuwendungen der Deutschen Bank haben dieses zeitgemäß
Zukunft@BPhil genannte Projekt zunächst für drei Jahre ermöglicht.
Inzwischen hat das Geldinstitut seine Unterstützung für weitere fünf
Jahre offeriert.
Wie klingen Wale?
Um Strawinskys «Petruschka», um Heiner Goebbels und seine
«Surrogate Cities», um Brittens «War Requiem» und Ravels «Daphnis et
Chloé», um György Kurtág und György Ligeti kreisten weitere Projekte.
Inzwischen ist man bei Nummer 17: «Meeresrauschen». Als Basis dienten
Szenen des im Januar uraufgeführten Films «Deep Blue», dessen
Soundtrack die Philharmoniker einspielten. Tiere und Vögel des Meeres
waren da in atemberaubenden Aufnahmen zu bewundern. Nun durften
Sechstklässler dreier Berliner Grundschulen mit Hilfe von allerlei
Geräuscherzeugern, Flöten, Harfen und Xylophonen sich ausdenken: Wie
«klingen» Wale und Tölpel, surfende Delphine und emsig schürfende
Krabben, seltsam blinkende Tiefsee-Quallen und aufs Eis segelnde
Pinguine. Je zwei Orchestermusiker assistierten den Kindern. Den
Workshop leitete der Geiger Aleksandar Ivic. Größtes Problem immer
wieder: die Kinder in ihrem Bienenschwarm-Treiben zu gelegentlichem
Innehalten zu bewegen. Aber, sagt die Lehrerin Madlen Gericke von der
Lenau-Grundschule in Kreuzberg: «Die können sich, wenn eine Aufführung
losgeht, unwahrscheinlich gut konzentrieren; dann sind die voll da.»
Es sei für sie jedes Mal wieder eine Überraschung - gerade bei
Kindern, die sonst sehr fahrig sind und leistungsschwach.
Für die Kinder selbst war es eine tolle Erfahrung. «Alles hat mir
gefallen», meinte einer forsch. Aber auch Unbehagen wurde geäußert:
Wenn sie «am Anfang nicht wussten, was wir spielen sollten». Oder dass
ihnen auch einmal gesagt wurde, «was wir machen müssen, und es nicht
unsere eigenen Töne waren». Dabei war es für den Workshop-Leiter
Aleksandar Ivič fast das Wichtigste, dass die Kinder «immer das Gefühl
haben, dass es ihr Stück ist»; dass sie möglichst selber entscheiden,
wie das klingen soll. Zwar hatte man im speziellen Fall
«Meeresrauschen» schon einen professionellen Filmkomponisten
beauftragt, eine kindergerechte Partitur zu schreiben. Aber, sagt Ivič,
es ist nicht der Sinn, dass sie etwas reproduzieren, sondern dass sie
«ihr eigenes Stück schaffen». Aufeinander hören, aufeinander reagieren
- darauf kommt es an.
Improvisierende Philharmoniker
Schwer tut er sich damit nicht. Im Gegenteil. «Mir sind fast die
so genannten schwierigen Kinder lieber», sagt er. Zwar seien die zuerst
weniger diszipliniert, aber sie hätten dann doch sehr viel Energie und
Lust und seien viel direkter. Schwierigkeiten habe er eher mit den «zu
braven, zu Ordnung erzogenen Kindern, die sich nichts trauen». Wenn
man aber die «Rabauken» für eine Sache gewinnt, habe man mit denen
mehr Spaß. Und wenn Kinder dann in einem Konzert erfahren, wie es
sich anfühlt, «wenn alle still und diszipliniert sind ohne Zwang»,
dann seien sie «zu erstaunlichen Sachen fähig». «Es gab Kinder, die
sich wirklich entdeckt haben», meint Claire Badiou, eigentlich
Literaturforscherin, die ihr Cello hervorkramte, um an den Workshops
des letzten Jahres teilzunehmen. Kinder bekommen «ein anderes Gefühl,
wenn sie etwas Eigenes schaffen», sagt sie.
Verändert hat sich durch das Education-Programm aber auch einiges
bei den Philharmonikern. Sie gehen mehr «in die Stadt», reagieren
flexibler, «das Improvisieren öffnet ihnen einen neuen Zugang zur
Musik», meint die Projektmanagerin Henrike Grohs. Etwa die Hälfte der
Musiker hat bisher an Workshops teilgenommen, überwiegend die
jüngeren. Dabei arbeitet man möglichst spartenübergreifend. Tanz,
Film, bildende Kunst werden einbezogen. Alles wird dokumentiert und
ausgewertet. Auch nach den Workshops werden die Kinder und
Jugendlichen immer wieder zu speziellen Treffen oder zum Besuch von
Generalproben eingeladen. Die Themen filtert man aus Schwerpunkten des
Konzertprogramms, abgestimmt mit dem Chefdirigenten - im Fall
«Meeresrauschen» einer Aufführung von Debussys «La mer». Simon Rattle
leitet die jährlichen Schulorchestertreffen oder fungiert auch einmal
als Pianist bei einem der Konzerte.
Besonders Anspruchsvolles plant man demnächst. Eine Musikerin des
Ensembles Modern bietet Schülerinnen und Schülern des
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Gymnasiums, einer Musik-Spezialschule in
Mitte, Workshops anlässlich der Uraufführung eines Chorwerks von
Mark-Anthony Turnage, «A Relic of Memory», mit dem Rundfunkchor.
«Herzog Blaubarts Burg», der «Feuervogel» (als nächstes Tanzprojekt)
und ein Kurs, der sich anhand von Musik Toru Takemitsus Japans Kultur
nähern will, sind weitere Projekte dieser Saison. In Zeiten mieser «Pisa»-Zensuren ein kleiner Trost.
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Interstellar: Ad astra
Gustav Holsts Planeten bekommen philharmonische Asteroiden
16.-18.März 2006
Ganz hoch hinaus wollen sie ja schon immer. Nun hat Orchesterchef
Sir Simon Rattle den Raketenantrieb gestartet. Und mit Berlins
Philharmonikern flog er zu den Sternen. Ad astra hieß das Programm,
in dem er Gustav Holsts 1916 vollendete Suite The Planets mit
zeitgenössischen Abstechern zu benachbarten Asteroiden ergänzte. Die
Finnin Kaija Saariaho etwa landete da auf Nummer 4179 „Toutatis“ in
spacigen Klangflächen mit kräuselnden Melodiefetzen und knalligen
Clustern. Matthias Pintscher peitschte das Orchester towards Osiris.
Mark-Anthony Turnage ließ die Musiker mit tiefen Trommelwirbeln
aufmarschieren bei Ceres.
Besonders eindringlich mit dem Thema
beschäftigt zu haben scheint sich Brett Dean. Sein Komarov’s Fall
ist gewidmet jenem sowjetischen Kosmonauten, der 1967 beim
Wiedereintritt seiner „Sojus“-Kapsel in die Erdatmosphäre
verunglückte, wahrscheinlich geschuldet dem Missmanagement der
damaligen russischen Raumfahrtbehörde. Fast unhörbar beginnt sein
Stück mit wie Sternschnuppen irrlichterndem Zirpen, das an die
Geräusche der Raumtelemetrie erinnert. Dann wechselt die Partitur in
ein meckerndes Stottern der Holzbläser, hinweisend auf den
dramatischen Funkverkehr vor der missglückten Landung und sich
steigernd in einen gewaltigen Strudel, der plötzlich verebbt.
Sicher
ist Deans Stück das bildhaft effektvollste der insgesamt etwa
halbstündigen Erweiterung von Holsts ja mit Effekten, zumal im
tänzerischen Besuch bei „Jupiter“, nicht geizendem Planeten-Kreisen.
Ergänzt wurde es hier auch mit dem von Colin Matthews 2000
gesteuerten kompositorischen Besuch beim Planeten „Pluto“. Für Holst
lag die noch außerhalb der Teleskopsichtweite.
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Das neue Tanzprojekt im Education-Programm: Orffs „Carmina Burana“
Schon die Logistik ist beeindruckend: Über zweihundert tanzende
Schüler, Jugendliche, Senioren waren zu organisieren. Fast eben so
viele Kinder und Jugendliche, die den Rundfunkchor verstärken; die
Jungdesigner, die die Kostüme schneiderten. Dazu kommt das mehr als
hundertköpfige Orchester. Vor der Halle geht es drängelig zu wie bei
einem Volksfest. Drinnen werden die zweitausend Besucher empfangen
mit einer akustischen Installation: Texte, Musik, eingespielt über
Lautsprecher, führen hin zu Carl Orffs „Carmina Burana“. Der
Auftritt der vielen hundert Beteiligten und erst recht die standing
ovations am Ende machen einem Pop-Event alle Ehre. Die
Tanzaufführungen des Zukunft@BPhil.de Programms der Berliner
Philharmoniker unter Sir Simon Rattle in der Treptower Arena sind in
ihrem vierten Jahr Kult.
In einfachen Bildern erzählt Royston Maldoom die
mittelalterlichen Gesänge von Liebe, Tod, Beten und Trinken, die
Orff 1936/37 komponierte, und in denen er dem „homo ludens“, dem
spielenden Menschen, ein Denkmal setzen wollte. Eine Art Gevatter
Tod in rötlicher Mönchskutte schwingt anfangs die Fahne und peitscht
die Massen nieder. Aber die wehren sich, stehen immer wieder auf,
lassen ihre Lebensgeister erwachen. Die Mädchen reizen die Jungs,
die Jungs haschen nach den Mädchen. Auch der sterbende Schwan, ein
kleiner Junge wie zu einem Bankett unter einem Glassturz
präsentiert, will sich nicht einfach auffressen lassen; er rennt
davon. Eine junge Schöne unter weißem Schleier bricht aus ihrer
schützenden Larve aus.
Maldoom, für seine sozialen Verdienste jüngst mit dem deutschen
Ehren-Tanzpreis und dem Schillerpreis ausgezeichnet, versucht seine
Choreografien aus den natürlichen Bewegungen seiner Tänzerinnen und
Tänzer zu entwickeln. Oft gibt er nur Basisanweisungen. So wechseln
geformte Bewegungen im Kreis, in der Gerade, in der Gruppe auch
immer mit improvisatorisch „freien“. Was die Tanzenden im
vielmonatigen Proben-Prozess lernen, ist: auf sich, auf ihren
Körper, auf die anderen, auf die Musik zu achten. Es ist eine Übung
in Konzentration, Selbstdisziplinierung von Körper und Geist. Für
den Schauwert nach außen sorgt das Massenhafte der Tanzenden, ihre
Hingabe, wenn sie mit ihrem Körper etwas erzählen, dabei Identität
ausprägen. Schwieriger ist nach Maldooms Erfahrung die Arbeit mit
Jungen als mit Mädchen. Maldoom muss die Klischees von Männlichkeit,
die auf ihnen lasten, aufbrechen. So lässt er sie in den „Carmina“
auch einmal der Reihe nach auf den Rücken fallen. Und sie tun das
mit großem Geschick.
Das Zugehen auf Menschen aller Altersklassen, Nationalitäten und
Schichten, insbesondere aber auf Jugendliche, soll weiterhin ein
Kernstück der Arbeit der Berliner Philharmoniker sein. Pamela
Rosenberg, die neue Intendantin, bekräftigte das in dieser Woche
beim Pressegespräch.
ROSENBERG: Die Jugend heute ist passiv und passiver geworden. Es
gibt weniger Kunstfächer in Schulen. Die Freizeitbeschäftigung, was
hinter Glas stattfindet (Computer-, Videospielen) regt die eigene
Kreativität nicht an. Und wir denken, dass das eine große
gesellschaftliche Herausforderung ist an uns alle.
Allerdings hat man nicht allerorten einen so potenten Sponsor zur
Seite – wie die Philharmoniker. Es ist eine beispielhafte Arbeit,
die hier geleistet wird. Und gerade das Tanzprojekt und der es
popularisierende Film „Rhythm Is It!“ hat viel zur Aufbruchstimmung
beigetragen, dass jetzt Netzwerke entstehen für den Tanz in
Deutschland. Demnächst will man sich in Berlin sogar an Strawinskys
„Les Noces“ wagen. Aber auch schon das Auftaktprojekt mit „Le sacre
du printemps“ war ja nicht gerade ein Kinderspiel.
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John Adams‘ Oper „A Flowering Tree“ als Deutsche Erstaufführung
semi-konzertant
21. Dez. 2006
Eine Aufführung mit einem so exzellenten Klangkörper wie den
Berliner Philharmonikern und einem alles Raffinement der Partitur
heraus kitzelnden Dirigenten wie Sir Simon Rattle kann sich ein
Komponist nur wünschen. Die Uraufführung von A Flowering Tree in
Wien im November leitete John Adams selber mit einem Venezolanischen
Jugendorchester. Es war der von Kritikern als etwas harmlos
empfundene Auftakt zu einem von Peter Sellars programmierten
Festival mit dem hoffnungsfrohen Titel „New Crowned Hope“. Sellars
besorgte schon dort selbst die szenische Einrichtung. Von ihm stammt
auch das Libretto. Es ist nachempfunden einem gleichnamigen
indischen Märchen.
Dies Märchen erzählt von einem einfachen Mädchen, das sich in einen
blühenden Baum verwandeln kann. Die junge Frau erregt damit das
Begehren eines verwöhnten Prinzen. Aber dessen böse Schwester
zerstört beider Glück, verstümmelt das Baummädchen zu einem
Krüppelstumpf, das in die Kaste der Parias gleichsam abgleitet. Und
erst als auch der Prinz völlig verwahrlost das Elend der armen Leute
am eigenen Leib erfährt und sie sich so in der Gosse wieder finden,
beginnt auch sie wieder zu erblühen zu voller Schönheit. Eine
romantische Geschichte der Prüfungen und des sozialen Auf- und
Abstiegs also. Gedacht war diese Oper als Reverenz an Mozarts
Zauberflöte. Mit deren Vielschichtigkeit kann sie sich aber kaum
messen. Einige Motive erinnern auch mehr an Richard Strauss‘ Daphne.
Und bei Strauss hat der Komponist John Adams sich auch hier einiges
abgeguckt. Er greift hier mit seiner Musik übers Minimalistische
weit hinaus, entfaltet besonders in den rhythmischen Partien viel
Kraft.
Auf ein Minimum beschränkt ist die szenische Einrichtung durch Peter Sellars. Und besser wäre sie (für die Wirkung der Musik) wohl ganz
verzichtbar. Sie begnügte sich offenbar auf ein paar Anweisungen,
die der Regisseur den hinzu engagierten drei javanischen Tänzern
gab. Mit ihrer hochartifiziellen Zeichensprache können sie freilich
nur verdoppeln, was schon in Text und Musik angelegt ist. Das ist
zwar zumal bei Eko Supriyanto durch seine höchst differenzierte
Gestik ungemein reizvoll anzusehen. Eine eigene Ebene fügt es der
Musik aber kaum hinzu. Und es kontrastiert allzu schroff zu den eher
peinlich-konventionellen Bewegungen der drei Sänger, die da vor
einer bonbon-bollywood-bunt beleuchteten Wand auf zwei Podien in der
Berliner Philharmonie agieren. Immerhin stehen mit Jessica Rivera
als dem Mädchen Kumudha, Russell Thomas als dem um sie werbenden
Prinzen und Eric Owens als Erzähler exzellente Sänger zur Verfügung.
Eine Oper im eigentlichen Sinn ist dies neue Werk von John Adams,
der mit Stücken wie dem Ost-West-Konfrontations-Drama Nixon in China
oder der Terrorismus-Abrechnung The Death of Klinghoffer bekannt
wurde, nicht. Eher ist es ein Oratorium. Gerade durch die Einfügung
des Erzählers wird der dramatische Fluss immer wieder abgewürgt.
Auch hatten beide Autoren offenbar unterschiedliche Intentionen mit
diesem Stoff. Während Librettist Sellars das Märchen als Parabel
über Ökologie und sorgsame Pflege der natürlichen Ressourcen
begriff, sah Komponist Adams es eher als eine über menschliches
Reifen und jugendliche Entwicklung. Der Weg auf die Opernbühne
dürfte mit Baumstümpfen gepflastert sein. A Flowering Tree ist ja
auch im Zeichen musikalischer Globalisierung ein gemeinschaftliches
Auftragswerk von Wien und Berlin mit Konzert-Institutionen in
London, New York und San Francisco.
Ein etwas schiefes Licht wirft diese oft ans Kitschige grenzende
Aufführung einmal mehr auf den szenischen Geschmack von
Philharmoniker-Chef Sir Simon Rattle. Dirigenten sind zwar selten
auch gute Theaterleute. Aber in Pamela Rosenberg hat Rattle ja als
Intendantin eine Frau im Haus, die da einiges vorweisen kann. Er
sollte das auch nutzen.
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Küng-Harvey-Oratorium „Weltethos“ uraufgeführt
13.Okt. 2011
GEs gibt keinen Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den
Religionen; es gibt keinen Frieden unter den Religionen ohne Dialog der
Religionen. So die These des Schweiz-Tübinger Theologen Hans
Küng. Dem dient seine 1995 gegründete Stiftung Weltethos, dem
soll auch das gleichnamige Oratorium dienen, für das er das Libretto
schrieb. In Musik gesetzt hat es der englische Komponist
Jonathan Harvey. Uraufgeführt wurde es jetzt unter der
Gesamtleitung von Sir Simon Rattle von den Berliner
Philharmonikern, dem Rundfunkchor Berlin mit Simon Halsey
als Kodirigent und einem Kinderchor.
Küng hat den verschiedenen Religionen gemeinsame ethische
Grundbegriffe wie Menschlichkeit, die sogenannte goldene Regel,
Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Partnerschaft
herausgefiltert und sie den verschiedenen Religionen zugeordnet. Je ein
Abschnitt von 7 bis 15 Minuten ist dem Konfuzianismus, Judentum,
Hinduismus, Islam, Buddhismus und Christentum gewidmet. In gesprochenen
Rezitativen (Dale Duesing) über einer Musikgrundierung
wird das Wirken der jeweiligen Religionsgründer skizziert. Ein
Kinderchor beschließt jeden Abschnitt mit der Forderung nach einem
bewusst menschlichen Leben als Zukunftserwartung.
Komponist Jonathan Harvey, erfahren in religiösen Dingen,
Enkel-Schüler von Arnold Schönberg, beeinflusst von der Musik Olivier
Messiaens und Karlheinz Stockhausens, hat in seine zwölftönige
Musiksprache für die jeweiligen Religionen charakteristische Instrumente
als Farbakzent eingewoben, zum Beispiel das Widderhorn Shofar beim
Judentum oder Xylofone beim Konfuzianismus. Auf kritische Momente hat er
nicht verzichtet; das Wort „Schonung“ im Hindu-Teil zum Thema
Gewaltlosigkeit lässt er vom sonst oft nur flüsternden Chor regelrecht
herausschreien. Den Schlussteil übers Christentum verdichtet er zu einem
pfingstlichen Zungensprechen mit der Schichtung ethischer Schnittpunkte
der sechs Religionen.
Eher penetrant wirken die rhythmisierten Einwürfe des Kinderchors;
eingefügt hatte Küng den Litanei-artigen Kinderchor in der Hoffnung auf
Melodisches im Sinne einer Weltharmonisierung. Zur Eröffnung des
Kulturprogramms der Olympiade in England am 21.Juni soll diese
75-minütige „Vision in Musik“ auch in Birmingham erklingen. Der Applaus
in Berlin war freundlich. Küng nahm ihn für das Auftragswerk seiner
Stiftung selbst entgegen; der 72-jährige Harvey konnte sich
krankheitshalber nicht zeigen. Weniger ein Kunst- als ein Bekenntniswerk
ist dies, und so soll es auch wahrgenommen werden.
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