semper 2001-04

Klon im Baumarkt

Alban Bergs „Wozzeck“

21.Febr. 2004

Eiskalt wie Hundeschnauze ist das – oder soll das sein. Ein Schäferhund mit vorgebundenem Maulkäfig bewacht anfangs die Szene und bellt seine heiseren Kommentare ungeniert. Wir befinden uns in irgendeiner der gesichtslosen Fußgänger- und/oder Einkaufspassagen heute, halbfertig. „Asoziale“ in schwarzer Kluft, Junkies, Stricher, Aussteiger leben hier. Der „Hauptmann“, mit vielen pickeligen Vereiterungen auf der Glatze, lässt sich gerade von Wozzeck balbieren. Der „Doktor“ ist ein Wichtigtuer in wattierter Jacke, der um sich eine Gruppe von Jungs sammelt, die als Sandwichmen fackelnd Werbung schieben für moralische Gerichte und als Lohn Erbsendosen leeren dürfen von der Palette. Marie mal in Lackleder mit Jeans, mal im knallroten knappen Röckchen, geistert umher mit dem Kind, das immer die Plastiktüten schleppen muss, und bietet sich feil.
Wozzeck selbst scheint eher ein verträumter Künstlertyp in Beuys-Outfit, ein Mensch also auf der Suche nach Selbstverwirklichung in Ganzheitlichkeit aber auch mit Geldkarte, der sich immer mal was vom Automaten zieht, um Marie zu bezahlen. Dem Jungen bringt er gelegentlich ein paar Bilder mit. Verfolgt fühlt er sich von gesichtslosen Schaufensterpuppen aus einem Baumarkt, für den hier anlässlich einer Neueröffnung kräftig geworben wird. Mit Äxten und Hämmern verfolgen die Rot-Schwarz-Karierten ihn und blaffen auf der Jagd nach Kunden mit ihrem „Jäger aus Kurpfalz“. Der Mord an Marie passiert vor aller Augen. Immerhin reinigt Wozzeck danach noch die Glasscheiben von Blutspritzern mit dem Gartenschlauch und versucht es mit einer Neuen, als wäre nichts. Am Ende verwandelt er sich selbst in eine dieser gesichtslosen Masken aus dem Baumarkt: Vom Kunst-Clown zum Kleinbürger-Klon.
Dass junge Regisseure heute ihre liebe Not haben mit der geknechteten Natur der Woyzeck-Figur – geschenkt. Es gab und gibt vielerlei Ansätze. Was Sebastian Baumgarten hier an der Dresdner Semperoper im Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann versucht, sind indes mehr Anmerkungen zu einem Stück, etwas flapsig, etwas prätentiös. Ständig flimmern im Hintergrund per Video über den Passagen einer Schaufensterfront irgendwelche Leuchtschriften, die das Geschehen verdoppelnd kommentieren sollen: Bibelsprüche aus dem Buch Moses, aus der Offenbarung oder Spruchweisheiten aus dem reichen Schatzkästlein des Volksmunds. Eine Szene aus der Musik heraus zu entwickeln ist Baumgartens Sache nicht. Lieber poliert er Versatzstücke aus der Theatersprache eines Hans Neuenfels oder Frank Castorf. Spannung mag da nicht recht aufkommen, und dass Baumgarten des Lesens und Schreibens kundig ist, dass er Tiere mag, glauben wir ihm gern.
Auf der Strecke bleibt die Musik, sie rückt einem nicht auf die Pelle. Und das bei einem Jahrhundertwerk wie Alban Bergs Wozzeck. Da mag sich Marc Albrecht am Pult der Staatskapelle mit aufgehitzten Tempi und großen Steigerungen noch so mühen. Die Partitur gleitet wie Filmmusik an einem vorüber, wird von der Szene egalisiert. Um Differenzierung bemühen sich immerhin die Darsteller. Andreas Schmidt ist ein Wozzeck mit seidenweichem baritonalen Glanz, aber auch der nötigen Härte. Evelyn Herlitzius, mit etwas starkem Vibrato und leider teils eher unvorteilhaft gekleidet von Michael Graessner, darf sich Gefühle kaum gönnen. Ihre Bibellektüre ist so beliebig wie ein Akt mit einem Freier. Viel abverlangt wird auch dem Knaben (Lukas Wosnitza), der am Ende noch als Batman in freidemokratischem Gelb sich wie der Vater im Fliegen üben darf.
Das Dresdner Publikum reagierte gespalten: Mit heftigen Buhs, aber auch Bravos für die Szene. Bislang wurde es von der neuen Intendanz nicht gerade verwöhnt, bekam mal Schlafpille, mal Klamotte verabreicht. Nun also was zumindest sehr Modisch-Aufgepepptes. So recht weiß man noch nicht, wohin die Reise geht.


Tiefflug

Johann Strauß’ Fledermaus in der Regie von Günter Krämer

18.Dez. 2003

„Oh nei, wollen Sie jetzt alle hier rein oder wollen Sie raus?“ nuschelt in unverfälschtem Sächsisch Gerichtsdiener Frosch: Wolfgang Stumph. "Stumpi" ist die Attraktion der Aufführung. In einem gefledderten Sofa sucht er nach dem nächsten kleinen Feigling, der sich in seinen Akten versteckt hat. Und er findet sie alle: von einem verdunsteten Bauunternehmer bis zu den Milliarden, die dem Bundes-Finanzminister in den Rechenstuben verdunstet sind.
Ansonsten beginnt’s eher zäh mit angestrengt witzigen Dialogen. Regisseur Günter Krämer - er hat schon bessere Zeiten gesehen - siedelt diese Dresdner Fledermaus als Parabel über doppelte Moral nahe an der Klamotte. Sein Gabriel von Eisenstein, der da eine Strafe abbrummen soll, ist ein Rentier im Trachtenjanker. Mit seiner Rosalinde fährt er zur Bescherung aus einem Weihnachtskalender, Marke Heilige Familie. Die Schampus-Party beim Russen-Prinzen Orlofsky ist ein Fly-In von Vampiren im Dirndl auf einem Bühnen füllenden Sofa, das Gisbert Jäkel ersonnen hat.
Großartig aufgelegt ist die Staatskapelle unter Manfred Honeck. Süffig und samten spielt sie die Strauß-Ohrwürmer. Hans-Joachim Ketelsen ist der von der Gattin düpierte, dennoch findige Eisenstein, der brav seine Suppe löffelt. Reinhard Dorn ist ein feister Gefängnisdirektor à la Franz Josef Strauß, der’s faustdick hinter den Ohren hat und bei dem es sich sowohl die als Vamp sich träumende Hausfrau Rosalinde (Camilla Nylund) wie das ehrgeizig zur Kunst und Höherem strebende Stubenmädchen Adele (Diana Damrau) auf dem Schoß gemütlich machen.
Und auch das Publikum darf's sich gemütlich machen. Die Semperoper brummt wieder. Ausverkauft meldet das Haus seit Wochen. Auch diese Weihnachts-Überraschungs-Fledermaus dürfte die Bilanz nicht verhageln, anders als die Csárdásfürstin, die vor Jahren Peter Konwitschny an gleicher Stelle (noch unter alter Leitung) in die gar nicht holde Nach-Weihnachtszeit entließ und die dann so großen Ärger machte, bis hin zum Gericht. Jetzt gab es am Ende viel Beifall und jedenfalls keinerlei Buhs.
Krämer hat eine Vorliebe für Mäuse, Mickey Mäuse. Als solche erscheint am Ende der Eisenstein-Freund Dr. Falke (Dale Duesing) hier (Kostüme: Falk Bauer). Er gibt sich zu erkennen als derjenige, welcher die ganze Geschichte mit der Party und dem falschen Eisenstein (als Alfred: großartig Miroslav Dvorsky) arrangiert hat. Der Falke ist eine Micky Mouse als Flugmaus. Und die segelt auf watscheligen Füßen bodentief.


Gläserne Gruft

Verdis Don Carlo in der Mailänder Fassung

Eröffnung der neuen Intendanz an der Dresdner Semperoper, 12.Okt. 2003

Eine riesige gläserne Wand sieht man zu Beginn, ein Regal mit Totenköpfen aufgereiht wie an einer Perlenschnur. Aus der Gruft dieses gläsernen Escorial ruft die chorische Stimme des Kaisers Karl, die Carlos fast zermalmt mit ihrer dumpfen Wucht. Die Wand senkt sich. Sie ist dann schachbrettartiges Spielfeld in einer schwarz glänzenden Bühnenfläche, vielfach wandelbar durch Hebungen und Senkungen. Sie ist Zelle etwa für den Infanten, der büßen muss für seinen flandrischen Freiheitsdurst; Liebesnest für den gar nicht so gesetzestreuen König, der lieber um Eboli buhlt als um Elisabeth Valois, die er als Frau seinem Sohn entrissen hat aus dynastischen Gründen. Sie ist Tribüne aber auch für das Volksfest beim Autodafé, wenn das in schwarzer Falange-Kluft malochende Volk mit gelben Wimpeln die Verbrennung der in rote Tücher verschnürten Ketzer lachend bejubelt.
Beeindruckend an diesem neuen Dresdner Don Carlo ist vor allem dies Bühnenbild und die Kostüme von Gottfried Pilz. Eike Gramss bewegt darin die Figuren eher konventionell. Myung-Whun Chung entlockt der Staatskapelle einen cremigen Verdi-Klang, die langsamen Tempi eher noch etwas mehr dehnend, dann aber heftig wieder zur Attacke blasend. Man spielt die relativ knappe Mailänder Fassung. Von den Sängern können vor allem Roberto Frontali als Posa und Ildiko Komlosi als Eboli beeindrucken. Eine etwas verschüchterte Elisabetta ist Olga Guriakowa. Den bajazzohaften Infanten gibt (mit einiger stimmlicher Anstrengung) Gabriel Sadé. Roberto Scandiuzzi ist der in den Zwängen von Staats- und Kirchendoktrin gefangene König.
Der neue Intendant der Dresdner Semperoper, Gerd Uecker, geht mit dieser Eröffnungspremiere seine Amtszeit eher behutsam an. Eine überrumpelnde Neudeutung wie bei Peter Konwitschnys Hamburger Don Carlos in der französischen Urfassung findet man hier nicht. Auch in Dresden ist ein volles Haus nicht mehr ganz so selbstverständlich. Das Publikum war’s gleichwohl höchst zufrieden und spendete neben vereinzelten Buhs geradezu enthusiasmierten Beifall.


Wacht an der Burbon Buddel

Der Dresdner „Ring“ ist komplett mit Götterdämmerung

31.August 2003

 Brünnhilde nimmt Platz in der ersten Reihe. Dann fährt das Markenzeichen dieses Dresdner „Rings“, die gebogenen Parkettreihen eines virtuellen Welttheaters, in die Tiefe des Krematoriums-Schlunds. Weiter hinten sitzen schon Wotan und seine Getreuen. Der Wallvater hatte auf wackligen Beinen eben noch einmal die Überreste des toten Siegfried inspiziert und dann die zerbrochenen Teile seines Speers ins Archiv für gebrochene Verträge abgeschoben. Am Ende, wenn die Götter schon im Feuertod versunken sind, erscheint noch einmal Urmutter Erda. Nun jungfräulich schneeweiß. Die einst geborstene Weltkugel rollt sie heil vor sich herein. Brünnhilde hat das Machtsymbol Ring wohlbehalten den etwas flippigen Rheintöchtern übergeben in einer vertraulichen Zermonie. Und die ob des toten Siegfried zur Amazone emanzipierte Gutrune hat peinlich darauf geachtet, dass nicht doch noch der Finsterling Hagen das Goldutensil sich schnappt.
Beherzt hat sie ihn von seiner Ring-Gier mit einem Speerstich kuriert. Nun wird sie wohl Brünnhildes Flammbotschaft der Menschlichkeit weiterreichen. Die Alberich und Co haben ausgespielt, so uhrwerksmäßig exakt auch Hagens Mannen wie die Strohhalme im Takt mit den Regungen ihres Meisters sich bogen. Stumm wie graue Lemuren einer Todesbarke saßen sie freilich bei Brünnhildes Eintritt in den hohen Felsendom des Obersalzberg, in dem die Gibichungen hier winterlich verschneit residieren. Ein Operettenheld namens Gunther und seine nicht minder oberflächliche Schwester Gutrune tänzelten dort um die Sektkelche, ihre Langeweile sich vertreibend, während Hagen tapfer die Wacht an der Burbon-Flasche hält. Dort harren sie gespannt der Ankunft der unbedarften Frohnatur Siegfried mit seinem Goldhelm, der sich denn auch mit Wucht ins volle Halbweltleben stürzt und Gunther sogar mit nimmt auf Spritztour zum Walkürenfelsen, Brünnhilde zu vergewaltigen, derweil Hagen Gleiches der Gutrune besorgt.

Die Götterdämmerung ist mit Abstand der beste Teil dieser als kopfiges „Welttheater“ etwas dröge bis dato sich dahin schleppenden Ring-Tetralogie. Und eindrucksvoll gelingen Regisseur Willy Decker und seinem Ausstatter Wolfgang Gussmann vor allem die Massenszenen. Eher spannungslos dagegen die meisten kammertheatralischen Ensembles. Hier formt Decker zuwenig die Figuren, überlässt sie zu sehr sich selbst. Musikalisch hat das über weite Strecken hohe Klasse. Michael Boder am Pult – nach Giuseppe Sinopoli, der ursprünglich den Ring dirigieren wollte, und Semyon Bychkov, der im Streit mit dem Regieteam einerseits wie auch der Kapelle andererseits auf halber Strecke ausstieg -, Boder dirigiert einen silbrig aufgehellten Wagner-Klang, der zugleich die spezifischen Qualitäten der Sächsischen Staatskapelle, ihre samten weichen Streicher und Bläser, voll auskostet. Zumal die instrumentalen Highlights der Partitur wie „Rheinfahrt“ und „Trauermarsch“ sind eine Delikatesse. Aber auch sängerisch hat man erste Kräfte auf der Bühne. Gabriele Schnaut als Brünnhilde wird darstellerisch vom Regisseur zwar etwas sehr allein gelassen, brilliert aber mit metallischen Höhen wie zartesten Pianissimi. Ein stimmlich wie darstellerisch ungemein flexibler Siegfried ist Alfons Eberz. Kurt Rydl gibt dem Hagen schattenhafte Düsternis. Und auch Hans-Joachim Ketelsen als Gunther und Sabine Brohm als Schwester Gutrune beweisen großes Format.
Vieles an Deutungsmustern bei Decker kommt einem zwar mehr oder minder bekannt vor. Und das war wohl auch der Grund, dass so recht dieser „Ring“ anfangs nicht überzeugte. Manches allerdings fügt sich vom Schlussteil her nun doch in ein Gesamtbild – wie zumal die etwas sperrige Metapher der Parkett-Stühle. Vieles aber bleibt flach schon vom Ansatz her. Und nicht zu übersehen ist, dass es dieser Ring-Produktion über weite Strecken an zupackendem Drive gebricht. Geholfen hat dem Unternehmen gewiss auch nicht, dass die Flut seine Vollendung um ein halbes Jahr verzögerte. Immerhin hat Dresden bald sechzig Jahre nach dem Krieg nun endlich wieder einen kompletten Ring. Der soeben neu ins Amt gekommene Intendant Gerd Uecker kann ein Problem abhaken. Gelegentlich fließen die Wasser der Elbe eben nur tröpfelnd spärlich.


Die Semperoper unter Wasser (16.Aug.2002)

16.August 2002

Theater buchstabiert

Philipp Himmelmann versucht sich an The Rake's progress
23.Mai 2003

Intendanz-Ende in Dresden. Zeit zum Bilanzieren. Nach gut einem Jahrzehnt hat Intendant Christoph Albrecht als letzte reguläre Neuinszenierung seiner Amtszeit die Hogarth-Oper The Rake’s Progress von Igor Strawinsky angesetzt. Das etwas moralinmüfflige Werk der frühen Fünfziger Jahre hat er Regisseur Philipp Himmelmann einrichten lassen. Hauptakteur jedoch ist das Bühnenbild von Johannes Leiacker. Es spielt mit Leuchtreklamen, die wie falsche Sternschnuppen aus dem Bühnenhimmel segeln. Der rasante Auf- und tiefe Abstieg bis ins Irrenhaus des mehr Naiv- als Wüstlings Tom, mit dem der damals über 60jährige Strawinsky Mozart mit seinem Don Giovanni und Weill mit seiner Dreigroschenoper und Mahagonny gleichsam rechts überholen wollte, erscheint hier als eher trockenes Konzert in freilich prächtigen Kostümen (Jorge Jara).
Immerhin hochklassige Solisten wie der junge, sehr begabte Klaus Florian Vogt, Kathleen Kuhlmann als bärtige Jahrmarktattraktion Baba, Camilla Nylund als doch etwas blässlich verhinderte Geliebte Anne Truelove tragen die Aufführung. Seidenweich musiziert die Staatskapelle unter der Leitung von Johannes Fritzsch. Die Hauptbotschaft ist ohnehin: es wird wieder produziert in dem Hause, auch wenn so mancher Sitz leer bleibt. Die nach der Flut stornierten Reisebusse fahren noch nicht wieder vor. Erst für nächste Saison hofft man auf eine wieder hochprozentige Auslastung. Eine Opernsternstunde bot diese letzte reguläre Premiere unter Albrechts Ägide nicht. Immer mehr wurde der Spielplan für die touristischen Bedürfnisse zugeschnitten.
Die skandalisierte Csárdásfürstin, die Albrecht erst kleinmütig absetzte, dann aufgrund eines vom Regisseur Peter Konwitschny erwirkten Gerichtsentscheids wieder ansetzen musste, war da nur ein Punkt. Einschneidender das Zerwürfnis mit dem früheren Chefdirigenten, Giuseppe Sinopoli. Geraume Zeit vor seinem plötzlichen Tod vor zwei Jahren sprach man schon nicht mehr miteinander. Der auf Sinopolis Initiative für große Orchester-Besetzungen erweiterte Graben wird kaum richtig genutzt. Szenisch in Erinnerung bleiben neben den beiden Uraufführungen von Matthias Pintscher (Thomas Chatterton) und Peter Ruzicka (Celan vor allem der von Peter Konwitschny am Hause inszenierte Tannhäuser und Ruth BerghausTosca. Der als krönender Abschluss gedachte Ring wird nun erst nach der Sommerpause fertig. Eine aufregend neue Sicht konnte Willy Decker bisher aber ohnehin nicht bieten.


Lernen & Schlafen

Siegfried, Fortsetzung der Ring-Tetralogie
23.März 2003

 Jung-Siegfried muss zur Schule. Zur Zwergenschule, versteht sich. Die Kreuzworträtsel, die ihm Lehrer Mime aufgibt, sind von schlichter Natur: Herauszufinden etwa, welche Buchstaben Mime und Liebe gemein sind. Eine Tafel ist das geduldige Schreibutensil. Wenn Mime später vom Wanderer pisa-getestet wird, gesellt sich das Wort Fürchten dazu – freilich internettauglich geschrieben mit ue. Und Mime seinerseits testet seinen Schüler auf seine Furcht-Fähigkeit mit einem zum Fürchten primitiven Kasperlespiel.
Mit Späßen wie diesen bestreitet Regisseur Willy Decker den dritten Teil seiner Dresdner Ring-Tetralogie. Flutbedingt konnte zum eigentlichen Götterdämmerung-Termin nun erst mal Siegfried in die Heldenloipe starten. Der Schluss folgt zu Beginn der neuen Spielzeit. Die in den beiden vorigen Teilen die Bühne (Wolfgang Gussmann) verbauenden Theaterparkettreihen sind fast vollständig abgeräumt von der Szene. Ein Stapel Stühle ist übrig geblieben wie von der Flut übereinander getürmt in Mimes hundehüttenartiger Wohnhöhle. Immer mal wieder werden sie als Bestuhlung zum Wanderer-Theater aufgereiht.
Siegfried gilt in der Literatur gemeinhin als "Scherzo". Decker macht daraus, was es eigentlich ist, ein Schlaf- und Schnarchstück. Gebannt darf der Zuschauer warten auf das Erscheinen des schlafenden Fafner vor seiner Schatzhöhle. In viele Pappmaché-Teile zerfällt des Drachen in Umrissen leuchtendes Kleid beim Kampf mit Siegfried. Erda kriecht aus ihrer geborstenen Weltkugel heraus wie ein Schatten, ein Wasserfleck. Ihre Warnungen vertrocknen im Sand.
Erda (Birgit Remmert) ist in Deckers Version das erste weibliche Wesen, das man zu sehen bekommt – eine Frau freilich schon jenseits sexuellen Begehrens. Den Waldvogel drapiert Decker als Knaben mit Janker und Jägerhut, der den anfangs noch seinen Teddy mit in Mimes Hundehütte zwängenden Siegfried begleitet auf seinem Wege zur Mannbarkeit. Auf Distanz geht der erst in den Minne versprechenden Höhen, wenn Siegfried die Brünne der rot gewandet schlafenden Edel-Walküre aufschlitzt und sein sexuelles Pendel offensichtlich umschlägt.
Dass der Waldvogel nicht selber singt, sondern sozusagen singen lässt (Christiane Hossfeld), wirkt selbst etwas theaterhaft gekünstelt. Auch ansonsten geht’s hier eher steif und gravitätisch zu. Und Begeisterung kommt bei diesem fünfstündigen Theaterabend am ehesten noch auf, was die musikalischen Leistungen betrifft. Michael Boder als Ersatz für Semyon Bychkov, der nach starken Differenzen mit dem Team ausstieg aus der Produktion, fädelt die Partitur mit der Staatskapelle korrekt durchlichtet auf, verzichtet auf Wallungen à la Bychkov.
Und begeistern kann vor allem Alfons Eberz in der Titelpartie. Er ist sowohl darstellerisch wie auch vor allem stimmlich mit einer so biegsamen wie kraftvollen Stimme ein Siegfried, der in manchem erinnert an das Timbre des wunderbaren Siegfried Jerusalem, auch wenn man gegen Schluss dann doch die Anstrengung spürt. Als Brünnhilde brilliert Deborah Polaski mit der Strahlkraft ihrer gleißenden Tönen und überragenden Bühnenpräsenz. Unüberhörbar freilich auch, dass sie in die Jahre kommt. Eher seltsam wirkt hier die Besetzung des Mime mit Robert Wörle als eher klischeehafter Händler-Jude. Als vom Weltgeschehen abgemeldete Wanderer und Alberich belauern sich Robert Hale und Hartmut Welker.
Freundlicher Beifall für die Sänger und den Dirigenten schon zu den Pausen auch in der von mir terminbedingt besuchten zweiten Vorstellung (26.März).


Carmen fährt VW

Harry Kupfer inszeniert Carmen – eine Version in der Gläsernen Manufaktur

26.Okt.2002

 Aufmarsch der Matadore. Die Akustik ist nicht ganz die Semper-gewohnt hochauflösende, im 24-Bit-Format sozusagen. Das Raumambiente umso aufregender. Carmen und zumal Escamillo fahren VW. Über die Treppen des luftigen in Kolben, Kugeln, Zylindern geschwungenen Inneren der neuen Dresdner Manufaktur strömen die Besucher zur festlichen Corrida. In der ersten Reihe geparkt ein kleiner Autogipfel von Vorstandsspitzen des deutschen Automobilbaus. Angerichtet hat den Auflauf der sozusagen Rover unter den Regisseuren des deutschen Musiktheaters, Harry Kupfer. Treppauf, treppab über Brücken und Gänge lässt er die Zigarettenarbeiterinnen schwärmen, die Schmuggler zu ihrem Transporter huschen, auch schon mal mit Autoteilen unterm Arm. So schnell die Füße tragen. Eigentlich sollte Kupfer in diesen Tagen seine im Mai zu den Musikfestspielen premierten Penderecki-Teufel von Loudon um-"polen" nach Warschau. Das hakte aus technischen Gründen. Er hatte Zeit. Und er hatte eine Idee, als er die Bilder von der gefluteten Semperoper sah – so Intendant Christoph Albrecht.

ALBRECHT: Die Tatsache, dass überhaupt etwas stattfand, dass eine ungeplante Produktion innerhalb von drei Wochen zwischen Idee und erster Probe in Angriff genommen werden konnte und dass er, der ja einer der ganz großen Ensemble-Motivierer ist unter den Regisseuren - das war ein Signal, war unglaublich fürs ganze Haus.

Kupfer nutzt das Raumangebot Platz greifend. Ihren ersten Auftritt hat Carmen etwa hinter der Glaswand im Ausstellungs-Zylinder der zum Abholen bereitgestellten Phaetons im Eingangsbereich. Die Verwandlungen auf der wie improvisiert mit ein paar Plakaten nur markierten Bühne im Event-Bereich der gläsernen Manufaktur erfolgen blitzschnell. Kupfer recycelt seine vor zehn Jahren an der Komischen Oper erstmals erprobte fast dialogfreie Fassung der Bizet-Oper im Felsenstein-Deutsch. Die im seitlichen Rondell postierte Staatskapelle unter Massimo Zanetti, der von Matthias Brauer einstudierte Chor, die Solisten – Ulrike Helzel als zynisch hoppende Carmen, Douglas Nasrawi als armer Sergeant José und Jukka Rasilainen als gockelnder Escamillo – sie sind mit Feuer-Eifer bei der Sache. Nach nur zwei Stunden kann man übergehen zum gemütlichen Teil an der "Lesage"-Bar im Eingangsbereich.


Blitze ins Theater der toten Seelen

Mit Walküre setzen Bychkov-Decker-Gussmann ihren Dresdner Ring fort
11.Nov.2001

 Der "Walkürenritt" als Theater der toten Seelen. Der leicht erdkugelig gewölbte Theaterraum auf der Bühne ist leer geräumt. Nur Parkettsitze wie Grabstelen sieht man da. Blitze fahren hinein wie Aufzüge aus dem Jenseits. Die Walküren hängen dran, rüsten sich zum Aufmarsch ins Einsatzgebiet. Freilich zu retten gibt's da wenig. Wallvater Wotan will seinen Willen durchsetzen gegen die ungehorsame Tochter Brünnhilde, die heimlich Sieglinde mit dem Wälsungen-Spross Siegfried unter der Brust ins Sicherheit gebracht hat. Eine hüglige Erhebung wie eine Mischung aus Mutterbrust und Atom-Ei fährt aus dem Bühnen füllenden Parkettraum als Walkürenfelsen, darauf Brünnhilde sich endlagern muss. Nicht ohne dass Wotan sie zum Abschied doch noch innig umarmend küsste. In rotem Licht erglühen der Hügel und die Theaterreihen um ihn herum wie Himbeer-Götterspeise aus der Oetker-Plastikpackung. So schläft Brünnhilde der Erweckung durch den kommenden Helden entgegen. Sein Konzept des Ring als "Welttheater" hält der Regisseur der Dresdner Neuproduktion der Wagnerschen Tetralogie, Willy Decker, auch im zweiten Teil, der Walküre, dem ersten Tag des Ring des Nibelungen, durch.

DECKER: Welttheater in einem sehr wörtlichen Sinn: Welt ist Theater und Theater ist Welt. Und das nicht in so einem platten Sinn, dass Bühne auf der Bühne wäre, sondern der Theaterraum insgesamt auch der kulturelle Raum des Theaters, der unsere Welt in einem sehr tiefen auch spirituellen Sinn widerspiegelt.

Wie Decker und sein Bühnenbildner Wolfgang Gussmann das meinen, hatte Decker bei einem Gespräch zu Beginn so erläutert:

DECKER: Sowohl ich als Zuschauer sehe mich selbst, wie ich etwas betrachte. Aber vor allem auch die Figuren des Stückes, die schwanken zwischen Konzept und Handlung, vor allem natürlich Wotan als die zentrale Figur, die denkt und Visionen hat und sie dann umsetzt. Vergleichbar einem Regisseur oder Autor, der versucht, etwas was in seiner Vorstellung existiert in die Wirklichkeit eines festgesteckten Rahmen umzusetzen. Und da liegt ja das Interessanteste, Essenziellste, Tragischste des Rings, dass dieser Vorgang scheitert.

Am deutlichsten wird das im zweiten Akt der Walküre, wenn der bauplanwütige Wotan seine angetraute Fricka im hochgeschlossen schwarzen Kostüm in seinem Atelier empfängt. Wie durch einen Park von Modellen und Skulpturen huschen sie da, ein Türmchen von dahin nach dorthin, eine wohlproportionierte Männerfigur von dorthin nach dahin versetzend oder sogar zu Boden stoßend. Schon im Eingangsbild spielen Decker und Gussmann dies Motiv an, wenn zur "Jagdmusik" der Einleitung die Bühne auf der Bühne als Hundings Hütte sich öffnet: ein Würfel wie eine etwas zu große Sauna aus dem Ikea-Katalog in Eschenholzmaserung, lasiert, mit einer runden Säule in Mitten, in der als Kleiderhaken das güldene Schwert Nothung seinem Auftritt entgegenschwitzt. Die Bühne prüft Wotan mit dem Modell unterm Arm.
Walküre als Stück der endlosen Dialoge gehört zu den schwersten Teilen des Ring. Decker gelingt es nur stellenweise, hier für genügend Spannung zu sorgen. Der Schlussteil des zweiten Akts, die Todesverkündung für Siegmund durch Brünnhilde, ist eine dieser ganz wenigen Partien. Wie in ihren Schoß zieht Brünnhilde den todgeweihten Helden durch die als Trauervorhang vorgezogene schwarze Gaze, hinter der sie als Todesbote im schwarzen Militärmantel mit Rot-Haar-Pagen-Schnitt auftritt. Und immer wieder wehrt Siegmund sich, entzieht sich ihr. Derweil die delirierende Sieglinde wie ein nasses Bündel auf den Theatersitzen der Bühne davor dem willenlos ausgeliefert ist. Die Sogkraft dieser Szene verdankt sich aber auch der Präsenz der beiden herausragenden Sänger dieses Abends. Deborah Polaski mit metallischem Glanz ist eine in jeder Sekunde beherrschte Premieren-Brünnhilde, Robert Gambill ein Siegmund mit geradezu baritonal-liedhaft gefärbtem Tenor, ohne jedes aufgesetzte Pathos singend und spielend.
Mit Ausnahme der allzu hysterisch sich gerierenden Sieglinde von Evelyn Herlitzius ist das gesamte Sänger-Ensemble dieser Walküre gleichwohl um einiges solider als beim eröffnenden Rheingold. Zumal auch der Wotan von Peter Eglitis kann mit seiner Statur überzeugen. Eine damenhaft energische Fricka ist wieder Iris Vermillion. Im Walküren-Ensemble ragen Lisa Livingston, Sabine Brohm und Annette Jahns heraus. Noch weniger als im Rheingold kann die wiederum schmallippig in der Größe eines B-Orchester aufspielende Staatskapelle überzeugen. Engagierter hatte man da die Partitur in Meiningen musizieren gehört beim Oster-Viertage-Ritt über die Werra als hier im Semperbau. Allzu pauschal dirigiert Semyon Bychkov über die Details hinweg, um dann mal wieder Bögen mit Kunstpausen manieristisch zu zerpflücken. Ein Skandal nach wie vor: die nicht Wagner gerechte Besetzung. Mit der handvoll Celli können die Kantilenen, zumal in der Todesverkündigung des zweiten Akts, nicht blühen in dem großen Raum. Dass man sich von der Leitung mit dieser schütteren Besetzungspraxis auf die "Tradition" von Karl Böhm beruft, richtet sich selbst.
Das Publikum war's gleichwohl eher zu frieden, meldete nur leisen Widerspruch an. Willy Decker und sein Team bekamen das Meiste davon ab. Sein Welttheater-Konzept von Bühne auf der Bühne, das den Bühnenraum eher blockiert als öffnet, erweist sich doch mehr und mehr als theaterfremde Kopfgeburt. Bis es weiter geht mit dem Dresdner Ring in der nächsten Saison haben der Regisseur und sein Ausstatter ja vielleicht noch Zeit daran zu feilen.


Mann mit Goldhelm

Nach 70 Jahren wird in Dresden erstmals wieder ein Ring geschmiedet, Auftakt mit Rheingold
30.Sept.2001

Feuergott Loge nimmt Platz in der Loge. Den Einzug der Götter in ihr klassizistisches Tempelchen Walhall, gebaut auf dem schwanken Boden von Geld- und Machtgier, beobachtet er aus der Distanz. Wotan  dreht sich auf der Brücke um nach ihm, wartet, stutzt, weiß nicht so recht weiter. Als psychologisierendes, philosophierendes Welttheater versucht der Regisseur Willy Decker die Wagnersche Ring-Tetralogie um Gold oder Liebe in Dresden neu auf der Bühne zu erzählen – in einem auch spirituellen Sinne von "Welt ist Theater und Theater ist Welt".
Wellenförmig gegenläufige Sitzreihen eines Theaterparketts sieht man zu Beginn auf der Bühne hinter einem schwarzen Trauerflor. In der letzten Reihe hat Erda, eine Figur ganz in weiß, Platz genommen. Am Ende – "alles was ist endet" – wird sie den schwarzen Flor wieder vor die Szene ziehen. Zu den einleitenden Es-Dur-Akkorden wächst aus den Parkettreihen pilzartig ein weißer Erdball. Unbelastet spielen mit ihm die Rheintöchter in ihren ebenfalls erst weißen, dann mit einem türkisfarbenen Kleid überdeckten Trikots. Der Globus verwandelt sich in einen Goldball. Später, wenn der stiernackige Kraftprotz Alberich danach greift, die Liebe verflucht zugunsten der Macht, ist das der kugelförmige Hort.
Manch schöne szenische Details birgt diese neue Rheingold-Inszenierung in Dresdens Semperoper zum Auftakt des ersten Nachkriegs-Rings. Anfang der 30iger entstand hier zum letzten Mal eine Ring-Inszenierung. Gehalten war sie in einem neusachlichen Stil. Die Nazis trimmten sie auf völkisch. 1943 wurde sie letztmals gespielt. Bei Willy Decker und seinem Ausstatter Wolfgang Gussmann ist Alberichs Nibelheim ein verwinkelter Tresorraum. Wie gesichtslose Würmer kriechen die Nibelungen heran, um ihre Goldbarren abzuliefern. Wenn sie die Hände nach Lohn strecken, scheucht Alberich sie fauchend zurück mit seinem magischen Ring.
Alberichs Tarnkappe ist gestaltet als Goldhelm. Wenn der Grünalbe vor dem schlauen Loge prahlt mit den Verwandlungskünsten seines Helms und den Lindwurm mimt, beginnt der Hut wie zu schweben in luftigen Höhen, die Sitzreihen des Bühnen-Parketts wogen wie ein Riesen-Untier. Schön gelöst auch die Riesen in ihren grünlich schimmernden Anzügen. Wie ein kugeliges Brummi-Männchen ist der Fafner. Seinen Bau-Lohn stülpt er sich am Ende in Gestalt des Goldhelms über seinen Filzhut. Etwas schlanker Fasolt, der nur schwer von der Liebe spendenden Freia sich trennen mag. Unbeholfen tapsen beide über die Spielzeug-Gebirgsketten, in die Wotan und Familie schon mal ihr Wahlhall-Modell zu platzieren versucht haben.
Etwas problematisch an Deckers und Gussmanns Bühnenlösung ist die doppelte Distanzierung. Als eigentliche Spielfläche in das Bühnenparkett eingeschoben ist eine beidseitig offene, trichterartige Bühne auf der Bühne. Unmittelbare Sinnlichkeit strahlt die kaum aus, zumal die Sänger-Darsteller ständig auch über Stuhlreihen klettern müssen. Auch Textverständlichkeit fördert sie nicht. Deckers Grundkonzept des Sich-Selbst-Beobachtens der Figuren aber auch des Beobachtet-Werdens durch den Zuschauer vermittelt sie jedoch plastisch. Am deutlichsten in dem zwischen Konzept und Handlung schwankenden Wotan – und Decker vergleicht das autobiografisch durchaus auch mit einem Autor oder Regisseur, der versucht, Vorstellungen seiner Fantasie in einen festgezurrten Rahmen einzupflanzen mit dem Risiko des Scheiterns, für Decker "das Interessanteste, Essenziellste, Tragischste des Rings."
Von den Sängern am ehesten überzeugen können der geschmeidige Loge mit dem Elton-John-Habit von Roland Wagenführer und die mit straff-blondem Haarkranz geschnürte Fricka der Iris Vermillion. Birgit Remmert ist in ihrer Trauer Wärme ausstrahlende Erda. Hartmut Welker gibt den stiernackigen Alberich, der am Ende ohnmächtig dem Schwinden seiner mythischen Macht zusehen muss, und diebisch sich freut, als unter den Göttern, kaum haben sie den Ring, ein nervender Streit ausbricht. Mit großer Naivität auch der Fasolt von Johann Tilli, kontrastierend zum nur geldgierig-tumben Fafner von Julian Rodescu, der den Bruder mit einem dicken Goldklumpen erschlägt. Szenisch wie stimmlich fast ein Ausfall der Wotan von Frode Olsen. Er hat schon ausgespielt, ehe noch alles begonnen hat.
Einen aufgepeitschten Wagner-Ton schlägt Semyon Bychkov am Pult an. Den Ring dirigiert der Dresdner Opern-GMD zum ersten Mal. Aber dass es in dem Semperbau nicht so klingt, wie es klingen könnte, liegt an der Besetzung. Man hat den unter Sinopoli eigens für solche Produktionen erweiterten, aber einige Sitzreihen kostenden Graben nur teilweise geöffnet. Die Kapelle spielt in Sparbesetzung – eigentlich ein Skandal zumal nach den vielen Ring-losen Jahren in der Stadt. Bychkov musste am Ende denn auch einige Buhs einstecken. Ebenso das Regie-Team. Ansonsten Jubel. Schon bald wird man weiter sehen.


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