Büchsenfleisch
12.Nov.2000
Pink sind die Plastikbuden für die Bedürfnisbefriedigung. Fickzellen ohne
Zentralheizung. Drei stehen in Reih und Glied. Die Männer drängeln sich, mit
Geldscheinen wedelnd, voyeuristisch lauschend an der Wand. Die "du
darfst"-Abteilung des die menschliche Glücksproduktion untersuchenden
Brecht-Weillschen Mahagonny ist die gelungenste dieser Hamburger
Neuinszenierung. Das Orchester ist aus dem Graben auf die Bühne getaucht.
Wie eine Showband in Glitzerklamotten. Um den Boxring veranstalten
Metzmacher & Co einen fröhlichen Umzug. Der sich zu Tode mampfende Jakob
Schmidt frisst seine Kälber aus der Blech-Büchse im Aldi-Wagen.
Etwas gequält wirkt der erste Teil, wenn
die Witwe Begbick mit ihren flüchtigen Ganoven die Gründung der "Netzestadt"
in der Wüste beschließt: statt durch eigene Goldgräberarbeit zu Geld zu
kommen, es abzuzocken von denen, die's schon gegraben haben - eine ja
durchaus höchst aktuelle Metapher. Durchs Parkett von hinten ziehen in
grauen Defilees die Mädels, die Männer, die Holzfäller mit Äxten zur Bühne,
um sich den gelben Robinsonclub-Partyhut, die weißen Saunamäntel und bunten
Cocktails verpassen zu lassen. Etwas formlos wirkt das Spiel, die Musik hat
zu wenig Drive. Zu bedächtig Metzmachers Tempi, zu schwammig der Klang.
Musikalisches Glanzstück ist die
Gerichtsszene. Bestens trifft Metzmacher hier den Weillschen Ton mit
scharfen Akzentuierungen, gestochener Rhythmik, transparentem Klang. Die
Szene changiert vom Opern- ja Revuehaften ins Oratorische. Am Ende freilich
tut Regisseur Peter Konwitschny etwas zu viel des Guten. Rotlichtbestrahlung
färbt die Bühne und das ganze Haus bei des Paule Ackermann Bestrafung mit
dem Tode, weil er seine Flasche Whiskey nicht mehr bezahlen konnte. Der
Rückgriff auf das szenische Modell der
Leipziger Uraufführung
1930 mit den anarchisch widersprechenden Demonstrationsschildern pro und
contra - Liebe, Geld, Eigentum - schließlich verhindert eher, was er mit dem
als Hänger eingefügten Brecht-Zitat erreichen will: auch wenn’s kaum Sinn
macht, doch immer wieder neu zu disktuieren über die Grundlagen einer
Gesellschaftsordnung, die was sie verspricht, kaum einlösen kann für alle.
Und das in der globalisierten Welt von heute, weniger denn je.
Dreimal wurde
Peter Konwitschny zum Regisseur des Jahres gewählt. Das Optimum seiner
Möglichkeiten erreicht er mit dieser Produktion leider nicht. Der
sprühende Witz etwa der Stuttgarter Götterdämmerung geht dem
Mahagonny meist ab. Konwitschny findet hier nicht genügend ironische
Distanz zu seinem Thema. Man merkt, es ist Herzblut, was da träufelt. Im
Theater nur partiell der richtige Lebenssaft. In manchen Bildfindungen,
wie etwa dem Verfolgen des Taifuns am Radio, wiederholt er sich. Die Radio
hörenden Hexen beim Grazer Macbeth waren eine treffsichere Pointe.
Hier wird nur das Regiebuch nachvollzogen. Auch scheint Helmut Brades
Bühnenausstattung zu bunt, zu füllig, zu wenig analytisch, Witwe Begbicks
Riesensofa-Puff mit den vielen Verbotsschildern etwa allzu puffig, zu
zentral im Mittelpunkt.
Auch bei den Sängern
tat man nicht den allerbesten Griff. Inga Nielsen als Jenny
(die Elsa im Hamburger Lohengrin) wirkt für die Rolle doch etwas zu
"erfahren" als Frau, ihre Opern-Stimme versucht sie mit angeschnittenen
Tönen auf lasziv zu schrägen. Benötigt würde da eigentlich mehr natürliche
Frische. Und Albert Bonnema, der glänzende Siegfried der
Stuttgarter Götterdämmerung,
kurzfristig eingesprungen in diese ja nicht heldentenorale Partie des Paule
Ackermann - eigentlich ja in der ursprünglichen Textfassung der Jim, und nur
damals für die Leipziger Uraufführung mit ihren faschistischen
Anti-Demonstrationen im Vorfeld eingedeutscht - ist zwar als Figur
überzeugend, das passende Stimmmaterial für die Rolle hat er aber eigentlich
nicht. Mechthild Gessendorf als rot kostümierte Begbick,
etwas fahrig noch im ersten Teil, findet immer besser in ihre Rolle. Zumal
in der Gerichtsszene, wie auch der Dreieinigkeitsmoses von Günter
Missenhardt. Das Publikum war es insgesamt gleichwohl höchst
zufrieden und feierte die Sänger, das Orchester und das gesamte Team.
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Dr. Oetker-Kuchenfein
Götterdämmerung, Höhepunkt des
Stuttgarter
Ring in Peter Konwitschnys Interpretation
Premiere 12.März 2000
So krass hat man den Kulturschock
des
Siegfried vom mythischen Höhlenmenschen zum Konzernherrn der Gibichungen-AG nie präsentiert bekommen.
In einer Art Bauern-Komödienstadel sieht man ihn anfangs mit seiner
Brünnhilde vor Moritz-von-Schwind-Fluss-und-Fels-Panorama fingerhakeln im
Tierfell. Das Feuer um den Walkürenfelsen: billiger, rot beleuchteter
Flitter. Sorgfältig schnürt er sich die Wadenfelle an die Beine, wenn er
sich mit Steckenpferd Grane aufmacht hinunter den Rhein. Feuer im
Prestigebau.
Derweil scheint in Walhall die Hölle los. In dicken
Dampfwolken verzischt das Löschwasser. Die Walküren hängen luftlechzend an
den Bunkerfenstern.
Die Gibichungen-Halle: eine leere Sperrholzkiste mit
Kanonen-Ofen. Vor ihrem Wandschrank wird die BDM-resihafte Gutrune sich
eilends fein machen, als sie sieht, was für ein properes Mannbild da am
Bootssteg angelandet kommt. Im gold glitzernden Schlitzkleid präsentiert
sie sich ihm. Und schon nach dem ersten Schluck Sekt seines Lebens fällt
er über sie her, alles andere vergessend, inklusive der mütterlich
minnenden Brünnhilde oben auf der Felsalm. Bedenkenlos lässt er sich
einkleiden in Schlips und Kragen als neuer Eroberer. Als er Brünnhilde
wieder erscheint - die hat seiner harrend den Tisch fein gedeckt mit
blütenweißem Tischtuch, Servietten, Weingläsern und rotbackigen Tomaten -,
wird der Idylle-Vorhang barsch herunter gerissen. In kaltem Licht,
unkenntlich, ein anderer, erscheint er ihr. Sie, die eben noch von der
durchs Dach eingeflogenen Waltraute die neuesten Baisse-News aus der
Wallstreet-Walhalla mit anhören musste, ist vollends entgeistert. Willig
und wie tot streift sie die Unterhose herunter unterm nachthemdartigen
rosa Kleid und folgt ihm ins Schlafgemach, die Unterhosen wie Fußfesseln
am Boden schleifend.
Die Bühne (Ausstattung:
Bert Neumann) dieser Stuttgarter Götterdämmerung, mit der
diese Ring-Tetralogie geteilt durch vier Regisseure krönend von
Peter Konwitschny abgeschlossen wird, ist wie eine Art
Zauberkasten. Von einer Plastikplane schwarz verhüllt wie eine Kaaba sieht
man sie anfangs. Die Nornen lagern davor wie Mädels von der Platte, den
Faden eines weißen Strickpullis aufrebbelnd. Für den Komödienstadel auf dem
Walkürenfelsen wird dann die Stirnseite wie bei einem Wandertheater
geöffnet. Für die Gibichungen-Halle öffnet sich die Breitseite. Rundum offen
ist er zur Hochzeitsfeier im zweiten Akt. Siegfried empfängt die frühere
Geliebte als Braut von Blutsbruder Gunther wie eine Art Dr.Oetker-Kuchenfein.
Gutrune allerdings - Schürze ums Geschlitzte - hat schon mal den Teig
angerührt. Hagens Wachmannschaft, beim Weckruf aus dem Schlaf geweckt wie
Feuerwehrleute beim Alarm noch in Unterhosen antorkelnd, tanzen einen
Höllen-Schuhplattler zur Begrüßung der neuen Gäste. Wie eine
Preis-Schlachtkuh am Strick hereingezerrt wird Brünnhilde als Opfer. Den
Napfkuchen, den ihr Siegfried präsentiert als Hochzeitswillkomm, zerstampft
sie wie Häckseltreber am Boden unter den Füßen, als sie mit Hagen und
Gunther Siegfrieds Tod beschließt.
Eine wieder völlig andere Sphäre:
der Beginn des 3.Akts mit Hagens Wacht. Vater Alberich im weißen
Totengewand und langen Zotteln kommt hereingerutscht auf Knien als Zwerg.
Fast eine pietà-Figur, wenn er am Ende der Szene in Hagens Armen stirbt -
und ein Geist. Der Körper verschwindet im Bühnen-Boden. Hagen bleibt nur
das Leichentuch zurück. Siegfrieds Besuch bei den barbiebusigen- und
gelockten Rheintöchtern: eine kitschig glitzernde Flussaue wird da gebeamt
auf den Theaterkasten. Ein Bär kommentiert Siegfrieds schwappendes
Eintauchen ins pralle Mädelsleben. Bierpause, wenn ihm bei Hagens Mannen
Zug um Zug die Erinnerung wieder aufstößt. Dicht umdrängen sie ihn.
Entsetzt weichen sie zurück, als Hagen zusticht. Fast zärtlich beugt sich
Gunther über ihn, um den im Sterben Zuckenden und Stöhnenden zu schützen.
Der Schluss dann: ganz zurückgenommen wird das Theater ins Oratorium,
gleichsam wie das Rheingold zurückgeführt in den Schoß seines Ursprungs.
Brünnhilde als flammroter Racheengel, die Leviten lesend. Den Bühnenzauber
schaltet sie ab. Die Spielkiste ist nun ganz offen. Auf der Bühne nacktes
Arbeitslicht, die Brandmauern kahl. Auch im Zuschauerraum geht das Licht
nun vollends an; schon zu Aktbeginn jeweils wurde es nie ganz gelöscht.
Nacheinander schickt Brünnhilde nun alle von der Bühne. Die Hagen-Mannen,
den toten Gunther, den sie wieder aufzustehen auffordert. Auch Hagen
selbst wird von der Bühne verwiesen. Schließlich sogar Siegfried, nachdem
sie ihm vorher noch den Ring abgenommen hat. Den scheint sie zunächst in
den Orchestergraben werfen zu wollen, steckt ihn dann aber sich selbst an
den Finger. Zur untextierten Schlussmusik - mit der Wagner seine
Unschlüssigkeit über den "richtigen" Schluss offen ließ - sieht man als
Rollentitel auf einer Leinwand die Wagnerschen Bühnenanweisungen,
überwölbt vom Des-Dur-Liebesmotiv der Sieglinde.
So radikal das Theater
verweigernd
sah man diesen sonst als Bühnenzauber zelebrierten Schluss wohl nie: nicht
nur das Gold wird zurückgeführt in den Schoss der Natur, auch das Theater
wird in seinen "Urzustand" zurückversetzt. Diese Götterdämmerung ist
nicht nur ein neuer Meilenstein in der Wagner-Rezeption, auch für Peter
Konwitschny ist das ein neuer Höhepunkt. Da mochte sogar der Bayreuther
Wagner-Chefverwalter Wolfgang dem Regisseur bei der Generalprobe nicht die
Anerkennung verweigern. Aber auch mit diesem wunderbaren Team, voran
Lothar Zagrosek als so nerviger wie silbrig durchhörbar diese
Riesenpartitur gestaltender Dirigent, ist das ein Glanzlicht; mit einer so
mütterlich wie souverän dieser Brünnhilde Gestalt gebende Luana
DeVol; mit einem so kauzigen wie überzeugend das Unbeherrschte
dieser Siegfried-Figur verkörpernden Albert Bonnema,
mühelos die Partie durchstehend. Schon jetzt: ein Höhepunkt der ganzen
Saison.
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Mesalliance mit der Stasi
Peter Konwitschnys Interpretation der Csárdásfürstin an der
Dresdner Semperoper
Premiere 29.Dez.1999
"Ganz ohne Weiber geht die
Chose nicht", schon gar nicht beim Militär.
Tänzerisch paradieren hier Männer und Frauen in
Soldatenmänteln auf diese Melodie mit geschultertem
Spaten. Das kleine Cabaret, in dem die Sängerin
Sylva Varescu aufgetreten war bis zu ihrer Flucht
nach Amerika, hat sich da längst in ein Schlachtfeld
verwandelt. Schon bei ihrem ersten Auftrittslied sah
man das Publikum unter den Tischchen sich
verkrümeln. Die Granaten- und Bombeneinschläge
werden immer dichter und heftiger. Am Ende ist die
Spielfläche ein einziges Trümmerfeld. Nicht als
bloßes Vergnügungs- und Verdrängungs-Tralala hat
Regisseur Peter Konwitschny Emerich Kálmáns
"Csárdásfürstin" in Dresdens Semperoper
neu inszeniert. Konwitschny begreift diese Geschichte
aus dem Umfeld der Entstehungszeit dieser Operette
1915 und verleiht ihr so eine ungeahnte neue
Tiefendimension. "Da wird nicht nur kopflos
bestanden auf Spaß, es wird auf dem Leben bestanden,
dass man nicht schon tot ist, bevor es wirklich zu
Ende geht und sich anpasst und cool ist".
Chiffre für ihn ist dabei der Tanz als
"Subversion des Körpers".
Schon
einmal, 1981 in Greifswald, hatte Peter Konwitschny
einer Kálmán-Operette sich gewidmet, der
"Gräfin Mariza". Es wurde für ihn und den
damaligen Intendanten fast das Aus. Auch jetzt bei
der Dresdner Premiere der
"Csárdásfürstin" standen die Zeichen auf
Sturm. Die Buh- und Bravoschlachten wogten. Die
Vorstellung geriet immer wieder an den Rand des
Abbruchs. Zu ungewohnt für einen Teil des Publikums,
was Konwitschny aus dem als harmlose Unterhaltung
geltenden Stück herausholte. Fast tragische Züge,
aber mit durchaus auch Schwejkschen Aspekten, bekommt
bei ihm jene heute doch leicht angestaubt wirkende
Geschichte um eine Tingeltangelsängerin, die der
etwas feige und verweichlichte Fürstensohn Edwin
derer zu Lippert Weylersheim gern ehelichen möchte,
aber nicht darf und auch zu ehelichen so richtig sich
nicht traut.
Die Aufführung überrascht mit
vielen schönen und doch auch makabren Bildern. Der
Bogen der formalen Mittel spannt sich von
hörspielartig akustischen Elementen bis zum
Raumtheater in den Proszeniumslogen und Grandguignol.
Fein ausziseliert etwa ist das "machen wir's den
Schwalben nach", wenn Edwin dem väterlichen
Machtwort folgend statt mit der geliebten Sylva mit
Cousine Stasi - sie heißt ja wirklich so, ein Born
anzüglicher Aperçus für die Dialoge - anbandelt,
aber beide doch feststellen: weder passen noch
gehören sie zueinander. Deutlich spürt man in
dieser Szene die Melancholie einer vergeblichen
Verbindung, die verweist auf das
"Kranich"-Lied in Brecht/Weills
"Mahagonny". Aufgewertet wird auch der
Diener Miksa. Mit fortschreitender Kriegs-Zerstörung
wandelt der sich vom einfachen Kellner zum
brummelnd-bramabarsierend, hackenschlagenden kleinen
Gefreiten aus Braunau. Sylva serviert er den Mantel
schon mal mit Hitler-Gruß. Den hochgestreckten Arm
muss die Erschrockene sanft wieder nach unter biegen.
Oder aufgewertet erscheint auch das elterliche Paar
Leopold Maria und Anhilte, als dem von und zu Lippert
Weylersheim bei der Frontvisite entdeckt wird, dass
seine Frau auch mal eine
"Tingeltangel-Chansonette" war. Und spontan
versinken das alte junge Paar zu neuem Liebesglück
im Bühnenschacht.
Zu den bedrängendsten Szenen
gehört ein Bettler- und Versehrten-Ballett vor
dem ramponierten Schmuckvorhang, als der Krieg
schon fast nichts mehr übrig gelassen hat vom
Leben: "Hurra"-Fronttheater auf
falschen Beinen. Die heikelste Szene aber der
Totentanz über den Schützengräben. Da steuern
gerade die beiden falschen jungen Paare
Edwin&Stasi und Boni&Slyva kopflos ihren
Mesalliancen zu. Sylva tanzt mit einem von der
Tragebahre auferstehenden Toten, dem der Kopf
durch den Sand kugelt - oder sie tanzt auch nur
mit dessen Kopf, wie weiland Salome mit dem
abgeschlagenen Haupt des Jochanaan. Dazu klingt
aus den Kehlen überdreht absurd Zynisches à la:
man lebt ja nur einmal und einmal ist keinmal und
heute ist heute.
Getragen wird die Aufführung von
einem hervorragenden Sänger-Ensemble: an der Spitze
der wunderbare Chris Merritt als
spielmachender Graf Boni. Sabine Brohm ist eine eher
imposante als wirbelige Csárdásfürstin. Den etwas
selbstvergessenen Edwin gibt mit vokalem Wohllaut
Klaus Florian Vogt; als Braut für alle Lebenslagen,
genannt Komtesse Stasi - mal in Krankenschwester-,
mal in Spitzelschleiertracht -, stöckelt Pascale
Schulze. Mit dezenten Verfremdungen bei Licht und
Ausstattung verlängert Johannes Leiacker sein
Bühnenbild bis in den Zuschauerraum. Für die
choreografische Ausgestaltung sorgt Enno Markwart -
besonders eindringlich in der strudeligen
Hochzeitsszene des ersten Akts. Einfühlsam,
beschwingt und mit Feuer leitet Stefan Soltesz
Solisten, Chor und Staats- und Zigeunerkapelle am
Pult.
Von fern erinnert
Konwitschnys Csárdásfürstin gewiss
auch an Ruth Berghaus' (letzte) biografisch
geprägte Leipziger
Fledermaus: ein tänzerisches
Beharren auf dem Leben gegen den Tod. Dass das
Publikum, zumal das von der Moderne nicht gerade
verwöhnte Dresdner, mit solch verstörend
tieflotender Neuinterpretation seine
Schwierigkeiten haben würde, war zu erwarten;
dass die Wut sich auch über Sänger und Dirigent
ergoss, unfair. Dennoch war auch Betroffenheit zu
spüren am Ende, wenn die nun
"richtigen" Paare Sylva&Edwin und
Boni&Stasi an der Bühnenkante sitzen wie
Konfirmanden und fern alles materiellen Habens
ihrem neuen Liebes-Sein entgegenschweben. Fast
verhaucht und zurückgenommen ihr "mag die
ganze Welt versinken, hab ich dich".
"Ja ja die Liebe" - ein Neuversuch auf
Trümmern.
Amputiert 05.01.2000. Peter Konwitschnys Dresdner
"Csárdásfürstin" ist in
der ursprünglichen Version nicht mehr zu sehen.
Einige Szenen, die am Premierenabend den heftigsten
Unmut bei einem kleinen Teil des Publikums
hervorgerufen hatten, wurden gestrichen - wie etwa
der Salome gleiche Tanz Sylvas mit dem leblosen Kopf. Durch gezielte
Berichte in der lokalen Boulevardpresse war der Protest geschürt
worden. Offenbar fürchtet man vor allem um das touristische
Publikum. Übervorsichtig reagierte die Theaterleitung - offiziell um
die Sänger zu schützen. Das künstlerische Profil des Hauses wird die
Maßnahme nicht stärken. Konwitschny kündigte seine weitere
Zusammenarbeit mit der Semperoper auf.
Mit Urteil des OLG Dresden vom 16.Mai 2000
wurde die Semperoper bestimmt, diese Produktion nur
noch in der originalen Version zu zeigen. Die
Intendanz der Semperoper überlegt derzeit, ob sie die
Aufführung ganz aus dem Programm nimmt - investierte
Steuergelder also sinnlos verplempert.
Einem Kompromiss
zwischen beiden Parteien vom 13.Juli gemäß wird in der
Spielzeit 2000/01 die Csárdásfürstin
in beiderlei Gestalt nunmehr abwechselnd
dargeboten: einmal in der Version des
Regisseurs (vorgesehen am:
13.Okt.2000, 12.Mai, 15.Juni 2001), dann in
der von der Dresdner Staatsopern-Leitung lizenzierten
(20.10.00; 6.,10.05.01). Einen solchen schlitzohrigen
Vorschlag zur Freigabe für die Abstimmung mit den
Füßen hatte schon im Februar 2000 der Leipziger
Land-Richter gemacht - ohne die Gnade der Erhörung.
Dennoch: so gründlich hat noch keine Opernleitung
sich selbst zum Gespött und überflüssig gemacht
wie die der Semperoper. Die eigentliche
Meisterleistung dieses wahrhaft operettigen Vorgangs!
In einem Interview mit der Sächsischen Zeitung zum Abschluss
seiner Dresdner Amtszeit (Juli 2003) hat Intendant Albrecht den
Eingriff immerhin doch noch öffentlich als Fehler bedauert.
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Der als Retter & Helfer
Peter Konwitschny inszeniert mit Ingo Metzmacher am Pult in
Hamburg Webers Freischütz
31.Okt.1999
Derb gehts zu, deftig - und
anfangs auch ein bisschen verspielt. Die Burschen
hecheln in kurzen Hosen und Janker Spöttisches
Richtung Max, die Bohnenstange, die Mädels recken
ihm schon mal wie beim Dorf-CanCan den rosa
Unterhosen-Po. Die Wolfsschlucht, als Loch im Dach
immer präsent, ist hier eine Art Rumpelkammer
existenzieller Bedrohungen, Sicherheitsgefahrenzone
mit tickendem Zeitzünder, wo der per Videoauge
abgeschirmte Chef streng Buch führt. Webers Freischütz,
1983 von Peter Konwitschny schon mal inszeniert in
Altenburg, war die erste Arbeit, mit der der
mittlerweile allseits Hochgelobte auch im Westen
bekannt wurde. Das alte Konzepte konnte er in
Grundzügen beibehalten. Sogar die frühere
Ausstatterin, Gabriele Koerbl, wurde wieder gewonnen.
Vor allem im zweiten Teil aber hat Konwitschny stark
verändert. Das beeindruckendste und berührendste
Bild ist das zu der bekanntesten Musik aus dieser
Oper, dem Jägerchor; dessen aberwitzigen Text lässt
Konwitschny zuvor trocken vor dem Vorhang rezitieren:
wie bei einer Hasenjagd liegen da dicht an dicht
Frauenkörper als erlegtes Jagdwild. Ein wolfsartig
schwarzer Höllenhund leckt mit roter Zunge am toten
Fleisch.
KONWITSCHNY: Ich
glaube, dass es eine schöne Mischung von Ernst
und Komik ist. Dass die Männer joho trallala
singen - das ist auch: der Mann als Sieger, als
Macho hat was Lächerliches an sich. Und dass
hier ein Todesraum - also das spielt in einem
Raum, wo der Tod heftig zugepackt hat - da spielt
dieser Probeschuss, wo Agathe laut Apel auch
wirklich getötet wird. Das war uns wichtig, und
ich finde wunderbar jetzt, dass die Frauen das
erlegte Wild sind. Das bringt wieder die
Rollenverteilung sehr sehr schön.
Eine ganz andere ganz entscheidende
Veränderung betrifft die Rolle des Eremiten, der das
deutsche Singspiel, das der Freischütz seiner
Herkunft aus dem französischen Vaudeville nach auch
ist, wieder ins Friedvolle wendet. Als eine Art
"deus ex machina", der den Fürsten zwingt,
den mittelalterlichen Probeschuss abzuschaffen,
greift er laut Libretto ein. Max wird trotz seines
Teufelspakts mit Caspar und Samiel rehabilitiert. Er
darf Agathe, deren Eroberung an die Treffsicherheit
des Nachwuchs-Försters gekoppelt ist, doch heiraten.
Hier bei Konwitschny entpuppt sich als Eremit jemand,
der schon zwischendurch aus der ersten Reihe des
Parketts immer mal wieder beifällig oder
missbilligend sich äußerte. Agathe etwa hat er
einen Strauß weißer Rosen zugeworfen, aus denen
dann der Ersatzbrautkranz gewunden wird.
KONWITSCHNY: Ja,
ich finde das schärfer, ich finde das
sarkastisch: dass der Eremit ein Sponsor ist, ein
reicher Mann, der die Oper gern hat. Und wenn er
uns nicht immer noch was spenden würde, dann
gäbe es vielleicht sogar die Hamburger Oper
nicht mehr. Das ist natürlich bitter,
sarkastisch, im Grunde was sehr Trauriges, dass
die dem deshalb nicht widersprechen, weil er Geld
hat.
Am Ende verteilt er überall seine
golden glänzenden Visitenkarten. Bestens zu
verstehen scheint er sich mit Samiel, der im Aufzug
aus Etage "W" wie Wolfsschlucht
emporgerauscht kommt. Und zum Jubelfinale gibts
Sekt für alle. Ingo Metzmacher am Pult schlägt
einen zumal im Vorspiel fast verwehenden, wunderbar
innig romantischen Ton an, spitzt aber auch die
derbbäurischen Akzente der Partitur schärfend zu.
Ein fast heldischer Max ist Poul Elming, Charlotte Margiono die versonnene Agathe, frotzelnd keck das
Ännchen der quirligen Sabine Ritterbusch, den trink-
aber kaum standfesten Caspar gibt Albert Dohmen. Und
sein Über-Ich Samiel gibts gleich doppelt: mit
Jörg-Michael Koerbl als aalglatzköpfigem
grünbleichem Geist, der auch clam heimlich den Braut-
in einen Totenkranz vertauscht, und Andra Dazins als
zum Tanz aufspielendem Bratschen-Teufelchen bei
Ännchens bösem Basen-Traum. Elemente entdeckt man
zumal in der Jungfernszene durchaus auch von Ruth
Berghaus' in
Zürich nachgelassenem späten Freischütz.
Die stärksten Wirkungen dieser von "arte"
aufgezeichneten Produktion aber gehen von
Konwitschnys eigenen neuen Bildern aus.
siehe auch diese ganz andere Wege gehende
Produktion
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Verkommenes Ufer
R.Strauss Daphne in Essen
besucht: GP 26.05.1999 / Premiere 29.05.99)
Party, party. In
der Peneios-Villa geht's wieder mal hoch her. Heute
machen sie sich besoffen mit Schäfer- und
Schafe-Spielen. Alle krabbeln sie torkelnd, blökend
am Boden. Oder machen's sich gegenseitig. Und die
Hausdame Gaea im lachsrosa Seidenkleid läßt sich
von ihren Dienstmägden gleich doppelt bedienen. Nur
Daphne widert das alles an - sogar als Leukippos,
ihre Jugendliebe, ihr die Flötentöne blasen will.
Eine verkommene Gesellschaft ist das für sie am
verkommenen Ufer. Und erst recht, als ihr die Mutter
predigt, doch nun mal endlich Frau zu werden und das
himmelblaue Mädchen-Rüschenkleid abzulegen. Aber
Daphne träumt sich in die Welt der Natur, der
Pflanzen und Bäume. Und aufmerksam reagiert sie, als
da ein scheinbar wirklicher Hirt auftaucht im
schwarzen Schafswollmantel. Und zu spät merkt sie,
daß er doch nur das eine will, dieser Wolf im
Schäferpelz. Aber daß sie sich ihm dann doch
hingibt, zeigt sie der elterlichen Party-Truppe ganz
demonstrativ. Mit geöffnetem Kleid, den Rock hoch,
stürmt sie wie irre durch die Reihen der am Boden
sich kugelnden Männer. Eine Locke schneidet sie sich
aus dem Haar, mit der Schere faucht sie die Männer
an - und fängt sich dafür von ihrem Herrn Papa eine
Watschen.
Und Apollo, der dann doch nicht kriegt, was er zu erringen hofft - ihre Liebe
nämlich, die sie nun zu Leukippos entdeckt -, holt
es sich mit zerstörerischem Donnergewitter.
Leukippos wird erschlagen, das Haus wird gesprengt
und fliegt in die Luft. Auf der nun offenen Bühne
wird eine Gangway hereingerollt. Apollo lockt sie,
nun im langen Schwarzen, hoch, als wollte er mit ihr
abheben. Und dann läßt er sie allein. Ein Baum soll
sie werden zum "Dank", zynisch ein
Lorbeerbaum, von dem die Männer sich bekränzen
dürfen. Ein leicht transparentes Tuch zieht sich vor
der Verzweifelten, wie Ertrinkenden hoch. Auf das
Tuch projiziert werden Fotos der Entstehungszeit
1938: KdF-Mädchen, die fröhlich nach Bällen die
Arme strecken, Soldaten, marschierend in Reih' und
Glied.Schließlich sieht man zu der nur noch
Vokalisen verströmenden Daphne das Konterfei Richard
Strauss', ins Leere blickend, wie ahnend die kommende
Katastrophe, vor der er sich einzuzurren versucht in
seiner vage mäandernden Musik, haltlos, nach einem
Fundament suchend.
Daphne sollte das
Komplementär sein zum Friedenstag. Ursprünglich sollten beide
Werke zusammen uraufgeführt werden. Aber die Arbeiten
verzögerten sich zumal auch wegen Strauss' Problemen mit
seinem ihm durch den abgenötigten Verzicht auf Stephan
Zweig aufgezwängten Librettisten Joseph Gregor.
Peter Konwitschny, der im Team mit dem Dirigenten Stefan
Soltesz, dem Bühnenbildner Johannes Leiacker und dem
Dramaturgen Werner Hintze 1995 in Dresden schon den
"Friedenstag" inszenierte ( 2.4.95), hat das
Konzept für diese "Bukolische Tragödie in einem
Akt" auch schon damals zusammen mit dem
"Friedenstag" entwickelt. Da Dresden dann doch
den "Friedenstag" bevorzugte, hat Soltesz als
nun Essener Opernchef die "Daphne" an sein Haus
gezogen. Im Strauss-Gedenkjahr ein besonderer
Leckerbissen. Die Sänger-Partien können durchweg aus
dem Ensemble besetzt werden mit der im Lauf der
mörderischen Partie durchaus sich steigernden Zsuzsanna
Bazsinka als Daphne, Jeffrey Dowd, einem kühlen Apollo,
und Rainer Maria Röhr als auch darstellerisch höchst
wandlungsfähigem Leukippos. Stefan Soltesz gibt sich
alle erdenkliche Mühe, das fast undurchdringliche
Dickicht dieser Partitur mit seinen dicht ineinander
verwobenen Motivfäden transparent zu machen mit der
Essener Philharmonie im Graben des Aalto-Baus: ein fast
aussichtloses Unternehmen. Vom zumal in dieser
Inszenierung so wichtigen Text versteht man leider fast
nichts. Konwitschny dürfte es nach dem
radikal vom Kopf auf die Füße gestellten Hamburger Wozzeck hier wieder
frappant gelungen sein, ein Werk, das mit dem Hautgoût des Mitläufertums als unzeitgemäß und
heikel gilt, in sein Recht eingesetzt zu haben. Er
zeigt diese Partitur als eine auf dem Weg eines
resignativen langen Abschiednehmens, weniger naiv als
der komplementäre und zugleich konträre
"Friedenstag". Sehr dezent an den Schluß
ist hier mit den Foto-Projektionen das biographische
Umfeld angedeutet, wortloser Kommentar zum
instrumentalen Nachspiel. Leiackers Bühne und
Kostüme situieren ebenso dezent das Stück in die
Zeit der 30iger Jahre, entkleiden es des
pseudo-antiken Hellenen-Gewands. Nur am Schluß in
Form von griechischen Tempelruinen (Strauss
komponierte einen Großteil der Partitur auf
Sizilien) erscheint es mit als gleichsam Zeitsignet
auf dem Baumtransparent und als mäandernder Fries in
diesem vieltürig lauernden Villenbühnenraum.
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Blutstaub
Premiere: 21.02.99
Nach getaner Arbeit ist gut Ruhen. Die Hexen
hören in ihrer Küche Radio: Macbeth von Verdi, den Schluss.
Live-Übertragung von der Krönungszeremonie des neuen Königs, den
Marsch. Super: das sieht nach Arbeit aus für die nächsten Tage. Den
siegreichen Kriegern haben sie schon mal die Hände auf den Nacken
gelegt. Jetzt bleibt der Orchestergraben kalt. Das Licht ist
gelöscht. Viele Lichter gingen an dem Tag schon aus: Lebenslichter.
Auf seinem zahnarztsesselähnlichen Fluch-Sitz hat
Macbeth das Morden eben noch mal revue passieren lassen. Er sieht nicht
mehr durch. Seine Lady ist auch schon reif für die Klapse. Auf Freund
Banquos Sarg ließ sie noch die Korken knallen, die Whiskey-Flaschen
kreisen, die Hüllen fallen. Da hatte sie noch Nerven. Wie auch, als der
lustige Heidekraut-König zu Besuch kam in ihr oval office mit Ausblick
in die Berge: Duncan, der Kronenträger von Rechts wegen. Den Hermlin und
die Hosen streifte er leicht ab wie wie ein Ballett-Tänzer. Nur mit
Unterwäsche, Straps und Krone hupfte er vor versammeltem Hof in ihr
Bett. Seine beiden Gorillas neben sich mit unterm Laken - aber dann
leider wachte er nicht mehr auf. Ab mit ihm also in den Klappschrank.
Auch Gatte Macky hatte da noch einigermaßen funktioniert. Die beiden
Bodyguards, denen die Lady den blutigen Dolch mit ins Bett gelegt hatte,
damit sie als die Schuldigen erscheinen, brachte er auch noch gleich mit
um. Sicher ist eben sicher.
High geht's zu bei den Highlanders. Einen
lustigeren Macbeth hat man wohl, wenn überhaupt, lange
nicht gesehen. Lustvoll schon beginnt's. Die Hexen, ein buntes
Völkchen, kehren heim von der Arbeit in ihre Küche.
Durch den Schornstein, die Kellerluke quellen sie herein, aus der
Waschmaschine, dem Kühlschrank, dem Warmwasserbereiter, holen sich
ihr Feierabendbier aus dem Kasten oder stecken den ganzen Machomüll
in den Dampftopf. Sie erzählen sich, was sie den Tag über so gemacht
haben, wen sie heute wieder im Meer versenkt haben: Walküren im
Außendienst bei der Abwicklung des Patriarchats. Auf der Strichliste
darf dann ein weiterer Kreidestrich gezogen werden. Bei Nummer
XXXIIII sind sie schon. Am Ende haben sie sechs mehr geschafft. Sie
sind, wie der Regisseur Peter Konwitschny sagt, die "Katalysatoren"
und sorgen dafür, dass es ein bisserl schneller geht mit dem Ende
der Männerwirtschaft.
In Graz hat Konwitschny Verdis Macbeth
neu herausgebracht. Und wie bei allem, was er anpackt, wird daraus
ein neues Stück, gleichwohl eng gearbeitet am Text. Das übliche
Macbeth-Männermacht-Gerangel - hier wird es wie das Blut der
diversen Leichen gefriergetrocknet gleichsam und als Konfetti verstreut.
Mit Jacek Strauch als eignetlich eher gutmütigem Macbeth und
Ildiko Szönyi als stimmstarker Lady hat Konwitschny ein äußerst agiles
Protagonistenpaar. Star des Abends freilich sind die Hexen, von Verdi
gedacht als im Bunde die Dritten, die überall lauern, eingreifen, das
Geschehen vorantreiben und in ihrem Sinne beeinflussen. Günter Neuhold
am Pult, anfangs dieser Lesart gegenüber wohl eher skeptisch, zieht mit
spritzigen Tempi dann doch mit. Man gibt die zweite, die Pariser Fassung
(1865) in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln, gekürzt
allerdings um das Ballett und einen weiteren kleinen Ausschnitt.
Die Blutrünstigkeit der Kabalen wird in dieser
Version fast noch comicartig deutlicher. Und es wird in Konwitschnys
Inszenierung auch die Wirkung jenes Chors durch den Kontrast
intensiviert, den Verdi einfügte nach den Erfahrungen der
48er-Revolution: das gequälte Volk. In äußerster Schlichtheit teilt
es sein Leiden mit. Fahl das Bühnenlicht, und auch der Zuschauerraum
wird matt erleuchtet. Am Ende der Jubel groß. Und eher zur Gaudi die
vereinzelten Buhs. Aber Konwitschny, der in Graz mit dem Macbeth
nun schon seine sechste Arbeit zeigte (Achtung: Strichliste!), hat
hier mittlerweile eine solide Fan-Gemeinde. Sie war entzückt.
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