Ai Weiwei als Opernausstatter für Alexander von Zemlinskys
Einakter-Doppel
„Eine Florentinische Tragödie“ & „Der Zwerg“
04.Oktober 2009
Mit
der Oper hatte er bisher keine Berührung – außer mal als Statist bei
Zefirelli während seiner Studienzeit in New York. Dennoch ließ
Ai Weiwei auf dieses
Experiment sich ein, in Bremen, wo man an der Oper immer mal wieder den
Kontakt zur Bildenden Kunst sucht, einen Opernabend auszustatten, sprich
die Entwürfe dafür zu zeichnen (Realisation: Monika Gora).
Vorgeschlagen hatte die Opernleitung dafür zwei Einakter eines von den
Nazis ins Exil Getriebenen, Alexander von Zemlinsky. In den Spielplänen
sind diese Werke nach wie vor nicht heimisch: Zum einen „Eine
Florentinische Tragödie“, die Geschichte eines Mordes aus Eifersucht.
Ein Kaufmann kommt heim von einer Geschäftsreise, erwischt seine Frau
mit einem herzoglichen Liebhaber, und ersticht den nach längerem Hin und
Her. Zum anderen „Der Zwerg“, frei nach Oscar Wilde. Eine Infantin
bekommt zum 18.Geburtstag ein besonderes „Spielzeug“, einen Zwerg. Der
verliebt sich in sie, und sie behandelt ihn wie ein Spielzeug, stößt ihn
nach kurzen Tändeleien zurück in seine Hässlichkeit, von der er nichts
weiß.
Für
beide Stücke hat Ai Bilder aus seinem persönlichen Umfeld gefunden. Bei
der „Florentinischen Tragödie“ ist es eine turmartige Konstruktion aus
aneinander geschweißten Fahrrädern entworfen. Sie symbolisieren die
Blume Bianca, an der die beiden Männer wie Insekten nippen. Gekleidet
sind alle drei Figuren in lachsrosa Gewandungen. Die theatralischen
Aktionen, die Jungregisseur Andreas Bode dazu beiträgt,
beschränken sich auf Marginales. Mal werden Räder angedreht wie für
russisches Roulette. Oder die Umworbene darf sich laszive räkeln für
ihren Liebhaber, oder sie flüchtet auf den Fahrradturm zur Beobachtung
des Kampfs der „Insekten“. Den Zweikampf gestalten die beiden Männer
ohne Klinge, es ist die originellste Idee dieser Inszenierung.
Beim
„Geburtstag der Infantin“ kann der Regisseur etwas tiefer in die
komödiantische Trickkiste greifen. Ai hat sich da aufs Karikieren der
Kleidung des Hofstaats konzentriert. Alle tragen Weiß, aber die Röcke
haben seltsame Ausbuchtungen, von fern an Oskar Schlemmers „Triadisches
Ballett“ erinnernd. Hände, Beine, Arme oder Hälse werden mit Stulpen
akzentuiert. Bei einigen Damen ist der ganze Oberkörper so verpackt,
oder sie tragen Flügel wie Segel auf dem Rücken. Die hochmütige
Prinzessin ist demgegenüber vergleichsweise nackt. Nur der Ansatz eines
Reifrocks umgürtet ihre Lenden. Der Zwerg wird als Außenseiter gezeigt
mit dichtem Bartwuchs und in einem schokobraunen Flanell-Anzug. Wenn er
vor der Prinzessin balzt, schnappt er sich noch einige der weißen
Stulpenteile zur Verstärkung. Über der Szene schwebt ein in sich
bewegliches Gestänge aus etwa drei Meter langen Balken, die an den Enden
aneinander verknotet sind. Es erinnert ein bisschen an Ais
Olympia-Stadion-„Vogelnest“, das er für die Architekten „Herzog & de
Meuron“ mit entwarf. Hier wirkt es wie eine Smog-Wolke, Anzeige der
Erstickungs-Gefahr.
Zemlinskys
während und kurz nach dem Ersten Weltkrieg entstandene Musik (1917 bis
1921) mit ihrem spätromantischen Gepränge steht eigentümlich quer zu Ai
Weiweis in sich schlüssiger Ausstattung. Mit einem kongenialen Regisseur
hätte das vielleicht ein aufregender Theaterabend werden können. So
schleppt sich die Sache mehr dahin. Markus Poschner am Pult der Bremer Philharmoniker tut
dennoch sein Möglichstes, die Aufmerksamkeit wach zu halten. Von den
Sängern können vor allem Carsten Wittmoser als Kaufmann
Simone in der „Florentinischen Tragödie“ beeindrucken und Peter
Marsh als Titelfigur im „Zwerg“. Großer Jubel am Ende für den
freundlich lächelnden Gast aus Beijing. Freilich zeigte sich einmal
mehr: Bühnenbild und Bildende Kunst sind doch eher getrennte Welten. Zu
einer produktiven Reibung kam es hier jedenfalls nicht.
Intendant Frey geht mit Spielzeit-Ende 2010
August 2009
Wegen Finanzproblemen will der erst 2007 von Dresden nach Bremen
gewechselte Hans-Joachim Frey das Bremer Theater 2010 wieder verlassen.
Die
von seinem Vorgänger Pierwoß vorgefundenen Schulden wollte Frey u.a. mit
dem Import eines Marie-Antoinette-Musicals in der ersten Hälfte 2009
wieder herein holen. Das klappte zum Teil sicher auch wegen der
allgemeinen Wirtschaftskrise nicht. Um die 4 Mio € beträgt der
Schuldenstand gegenwärtig. Und die ästhetische Öffnung, die Frey
teilweise vorschwebte, fand beim Publikum offenbar auch nicht die gewünschte
Resonanz. Es war ja im Musiktheater auch einiges Modernes. Und bei den
Regisseuren holte der aus der Friedrich-Schule stammende Frey neben
Jüngeren wie Katharina Wagner, Vera Nemirova oder Tilman Knabe auch
Vertreter des mausgrauen Theaters.
Eine Findungskommission soll den Nachfolger küren. Als externe Berater
wurden Andreas Homoki (Komische Oper Berlin), Jürgen Schitthelm
(Schaubühne Berlin), Barbara Mundel (Theater Freiburg) und Amelie
Niermeyer (Schauspiehaus Düsseldorf) berufen. Kulturstadträtin Carmen
Emigholz, Finanzstaatsrat Dieter Mützelburg sowie zwei
Arbeitnehmervertreter vervollständigen die Kommission.
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Katharina Wagner inszeniert „Rienzi“ in Bremen
11.Okt.2008
Ein bisschen
von Berlusconi-Operette hat das: Rienzi, der
Volkstribun, der mit der Pestizid-Kanone fuchtelt, der den Müll wegräumt
und die Bettler; der alle vor seinen Karren spannt – und die bejubeln
ihn auch noch. Fast alle. Die Nobili freilich, die er von den
Fleischtöpfen vertrieben hat, sinnen auf Rache. Der Kardinal beobachtet,
dann gibt er den Segen – und später, als die Dinge gegen Rienzi laufen,
verhängt er den Kirchenbann. Der „letzte der Tribunen“, wie Wagner
„Rienzi“ untertitelt, wird zum Lynchen frei gegeben dort, wo er seiner
einzigen Liebe opferte, der Roma-Statue, die er erst köpfte, dann
entkleidete und mit immer neuen Fummeln behängte, bis sie mit
gegrätschten Beinen aussah wie eine Hure.
Mutig war das schon, den als unspielbar geltenden „Rienzi“ in Bremen
heraus zu bringen, aber auch eine Medien-Coup, dafür Katharina Wagner zu
gewinnen. Das Stück ist eine Chor-Oper mit mörderischen Solopartien. Und
es ist früher Wagner. Man spürt die Theaterpranke aber auch die
Häutungsfetzen der Grand opéra, die an ihr haften mit den pomphaften
Tableaus und ohne die feine Psychologisierung des mittleren und späten
Wagner.
Aus dem Sechsstünder hat Katharina Wagner
zusammen mit dem Dirigenten Christoph Ulrich Meier eine
vierstündige Fassung einschließlich zweier Pausen destilliert, die das
Werk strafft aber immer noch reichlich Selbstbeweihräucherungs-Schlacken
der Grand opéra übrig lässt.
Szenisch
arbeitet die Wagner-Urenkelin mit wiederkehrenden
Versatzstücken, Perücken zumal. Die werden den nadelstreifigen Nobili
von den Plebejern entrissen. Rienzi und sein Clan schmücken sich damit.
Der Frisiersalon mit Visagisten und Maniküren ist ein hoch
frequentierter Ort. Der goldene Globus, den Rienzi der Roma-Statue
entwindet, geht als Wanderpokal durch viele Hände. Aber doch mit Wehmut
denkt man dabei an die kunstvolle Heiterkeit, mit der ein Charlie
Chaplin so Hitler & Mussolini parodierte. Tilo Steffens
hat eine bühnenfüllende marmorweiße Freitreppe gebaut, wie man sie aus
Rom an prominenter Stätte kennt. In deren Mitte steht die dann mit wechselnden Fotos verhüllte
Roma-Statue – oder nur noch ihr Gerüst. Für intime Räume wird ein Hänger
herunter gelassen, der auch benutzt wird, um dahinter den Chor in
wechselnden Formationen aufzubauen.
Und das ist der gravierendste Einwand: Katharina Wagner versteht
zwar, mit ungeheurem Aufwand von Kostümen immer neue Arrangements zu
stellen, mit dem Chor zu erzählen gelingt ihr kaum – bis auf eine Szene,
wenn die Frauen Roms das von den Männern vergossene und in Strömen über
die weißen Stufen stürzende Blut aufwischen mit ihren Schürzen. Das
Stück insgesamt aus seiner Starre zu lösen, vermag auch die
Wagner-Urenkelin nicht. Dabei hat sie
zumal mit Patricia Andress
als Rienzi-Schwester Irene und Tamara Klivadenko als
ihr Liebhaber Adriano exzellente Sänger, während Mark Duffin
als Cola Rienzi doch hörbar an seine Grenzen kommt. Dank Sponsoren wurde
die Aufführung auch nach draußen auf den Vorplatz übertragen. Und einige
hundert Zuschauer harrten bis zuletzt aus. Was sich Katharina Wagner
generell von „public viewing“ erhofft:
KATHARINA WAGNER: …dass Oper Leuten näher gebracht
wird, ohne dass sie gezwungen werden, ohne dass sie sich ne Karte kaufen
müssen, ohne dass sie sich fein anziehen müssen, ohne dass sie das
Gefühl haben, oh ich kann da nicht raus, wenn es einen langweilt. Da
muss man entgegen treten, und „public viewing“ ist ein Plädoyer für die
Oper.
Beifall gab’s am Ende auch draußen, der im Saal war herzlich wenn
auch nicht euphorisch. Einer Wiedergeburt des Cola Rienzi, für Bayreuth
immerhin auf einer Nebenspielstätte in Aussicht genommen, wohnte man
nicht bei. Aber gewiss war es mit über hundert angereisten Kollegen ein
Event.
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Clash der Kulturen
Neuversuch mit Mozart-Czernowin „Zaïde“ / „Adama“
25.05.2008
Eine Art
„Kontrapunktstück“ nennt die in Wien lebende israelische
Komponistin Chaya Czernowin ihr Werk. Zwei musikalische
Sphären lässt sie ineinandergreifen, miteinander dialogisieren. Für den
Mozart-Gesamtzyklus der Salzburger Festspiele 2006 sollte sie Mozarts
unvollendet gebliebenes Singspiel „Zaïde“, eine tragische Vor-Variante
der „Entführung aus dem Serail“, bearbeiten, 1779 entstanden zwischen „Finta
Giardiniera“ und „Idomeneo“.
CZERNOWIN: Zuerst dachte ich, es ist eine postmoderne
Idee. Und obwohl ich sehr viel von Postmodernismus gelernt habe,
ich denke nicht, dass ich eine postmoderne Komponistin bin.
In der Mozartischen „Zaïde“ fehlen die Dialoge. In diese Lücke greift
Czernowin. Mit der Frage von Identitäten hatte sie sich immer wieder
beschäftigt.
CZERNOWIN: Das heißt, dass die Mozart-Idee war nur
ein Schritt weiter war. Statt meine eigenen Fremden, die in Dialog
kommen, einen echten Fremden – und Mozart ist mir ein echt Fremder, viel
mehr als Beethoven – und mit ihm in Dialog zu kommen.
Zu der
scheiternden Entführung Zaïdes aus den Fängen eines sexomanen
Sultans setzt Czernowin eine aus Mozarts Wort-Fragment gefilterte
Geschichte um eine Israelin, die einen Palästinenser liebt. Der Titel
„Adama“ bedeutet Erde. In dem Wort stecken die Worte „adam“ für Mann und
„dam“ für Blut. Die Liebe des Paars in „Adama“ kann sich wegen der
politischen Verhältnisse ebenso wenig erfüllen wie die zwischen Zaïde
und ihrem vergeblichen Befreier Gomatz.
Andrea Moses, die Regisseurin der Bremer
Neuinszenierung (der ersten seit der Salzburger von Claus Guth, die dann
auch noch an einigen anderen Orten gezeigt wurde) macht aus dem
schwebenden Psychologramm eine Art politischen Traktat über den Clash
der Kulturen. Das Fragment bastelt sie um zu einer komplementären Geschichte. Dafür
verlegt sie die Handlung in ein türkisches Restaurant von
heute, wo sich Zaïde als Tochter des Restaurantbesitzers Soliman
verliebt in einen ohne gültige Aufenthaltserlaubnis untergetauchten
Türken. Sie flieht mit ihm. Der Vater zertrümmert sein eigenes
Restaurant, als er von ihrer Flucht hört, und geht mit diversen
Schießeisen auf sie los, als er ihrer wieder habhaft wird. In der
Parallelgeschichte um die Israelin und den Palästinenser tritt als
Rächer der jüdische Vater mit Anhang und lemurenhaften,
am Ende an einem
Gitternetz gekreuzigten KZ-Häftlingen in Erscheinung, um die Tochter
samt ihrem Liebhaber zu demütigen und zu steinigen. Musikalisch ist dies
das Zentrum des aus stammelnden Wortfetzen sich entwickelnden Parts.
Das Orchester ist zweigeteilt in ein Mozart-Orchester im Graben und
ein Adama-Orchester auf der Bühne. Die beiden Dirigenten Daniel
Montané und Florian Pestell arbeiten Hand in
Hand. Sängerisch beeindrucken können vor allem Noa Frenkel
und Yaron Windmüller als Darsteller des ungleichen
Paars in „Adama“ (schon die Sänger der Uraufführung). Sara
Hershkowitz als Zaïde singt anfangs mit einem schönen hellen
Sopran, verliert dann aber etwas an Spannkraft. Das Bremer
Premieren-Publikum zeigte sich beeindruckt, auch wenn die Lücken im
Parkett nach der Pause etwas gewachsen waren. Für die Bremer Version hat
die Regie auch einen eigenen, etwas pathetisch-melodramatischen Schluss gewählt, eine andere Komposition von
Chaya Czernowin, die ursprünglich mit dem Mozart‘schen Fragment geendet
hatte: „Tränen“. Die Sänger beider Teile wirken
hier zusammen. Plakativer Versuch einer Versöhnung des vorläufig noch
Unversöhnten.
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Politkrimi um den Platz an „seiner“ Seite
Barock-Ausgrabung: „Fredegunda“ von Reinhard Keiser
23.02.08
Eine
Frau will nach oben. Sie, Fredegunda, will nicht nur die Geliebte des
Königs sein, sondern seine rechtmäßig Angetraute. Doch der König,
Chilperich, hat sich verlobt mit einer anderen, Galsuinde. Eine
Polit-Hochzeit. Der Friede mit dem Land der Braut nach einem Krieg soll
so besiegelt werden. Doch als die Braut eintrifft, hat Fredegunda den
König gerade zwischen den Beinen. Der König ist ihr, einer
„Bürgerlichen“, einer die die Männer „verzaubert“, verfallen. Der Kampf
um die Liebe ist ein Kampf um die Macht. Und er wird hier ganz ohne alle
Bandagen ausgetragen.
„Fredegunda“, das – so der Untertitel – „musikalische
Schauspiel“, wurde 1715 in Hamburg uraufgeführt und blieb über 20 Jahre
im Programm der Oper am Gänsemarkt. Nur an einem bürgerlichen Opernhaus
wie diesem war solch ein Sujet denkbar. Reinhard Keiser,
der Komponist, war Kapellmeister in Hamburg. Händel
spielte zeitweilig unter ihm. Das Stück greift bewusst eine damals
aktuelle Situation nach dem spanisch-französischen Erbfolgekrieg auf:
bedrohlich für die Hamburger Bürgerschaft wegen möglicher neuer Kriege
mit den eigenen Nachbaren, Niederlande und Dänemark. Regisseur
Tilman Knabe und sein Bühnenbildner Wilfried Buchholz
akzentuieren mit sehr heutigen Bildern diese Umbruchsituation: gespielt
wird zunächst in einem unfertigen, gerade im Umbau befindlichen Raum.
Später ist der Schauplatz eine Art Giftmüllkippe – im Original ein
Bergwerk, wo diejenigen, die im Machtkampf hinderlich sind, zur
Zwangsarbeit entsorgt werden.
In seiner
Personenführung setzt Knabe stark auf äußere Effekte. Dafür
verändert er auch den Schluss. Im Original muss Fredegunda kapitulieren
vor den höfischen Zwängen und ihrer Rivalin Galsuinde den Vortritt
lassen. Bei Knabe bleibt Fredegunda die Triumphierende; er lässt sie
schwanger werden. Und mit der Präsentation eines Thronfolgers bleibt sie
am Ende Siegerin im Machtpoker. Was mit dem Stück wohl eigentlich
gemeint war und was auch seine Aktualität damals so lange begründete,
verschwindet hinter diesem Showdown: eine Kritik an den fürs Bürgertum
haltlosen Zuständen bei Hofe, dass die Mätresse die machthabende Frau
war an der Seite des Herrschers, nicht die Ehe-Frau. Dass solche Kritik
so ganz obsolet wäre heute, kann man wohl nicht behaupten.
Die
Bremer Aufführung von Keisers „Fredegunda“ ist eine
Gemeinschafts-Produktion mit Klaus Zeheleins Münchner
Theater-Akademie, wo sie zuvor gezeigt wurde. Für Zehelein hatte Knabe in
Stuttgart schon eine andere Keiser-Oper reanimiert:
Masaniello. Der neue
Intendant in Bremen, Hans-Joachim Frey, will mit dieser Ausgrabung das
seit Jahren an dem Haus vernachlässigte Barock-Repertoire wieder
beleben. Und eine Oper von Reinhard Keiser mit ihrer aktionsreichen
Kurzszenen-Dramaturgie ist da durchaus geeigneter als die des späteren
Händel. Freilich ist das bisher nur ansatzweise geglückt.
Christoph Hammer am Pult hat mit den Bremer Philharmoniker zwar
vorzügliche Arbeit geleistet bei der Annäherung an eine barocke
Spielpraxis.
Weniger Glück hat man mit den Sängern. Lediglich die amerikanische
Sängerin Patricia Andress in der Titelpartie bewältigt
die Anforderungen barocken Koloraturgesangs. Die Verständlichkeit des
deutsch-italienischen Textes ist (bezeichnenderweise) nur bei dem
älteren Sänger des Königs, Karsten Küsters, gewährt.
Rat suchen muss man ständig in der Übertitelungs-Anlage bei einem
freilich altertümlichen Deutsch. Am Ende gab’s im nicht ganz voll
besetzten Haus dennoch viele Bravos für die Sänger, Buhs für die Regie.
Das dürfte freilich nicht zum geringen Maße der angestrengt erhöhten
Kopulations-Dichte der drei bis mindestens vier Paare zu verdanken sein,
die beim Publikum mehr Erheiterung denn Erregung hervor rief.
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