Zwischen Märchen und Asylantrag
Opernwerkstatt der „Kammeroper Schloss Rheinsberg“
12.August 2005
15jähriges Jubiläum konnte heuer die vom Komponisten Siegfried Matthus
gegründete „Kammeroper Schloss Rheinsberg“ feiern. Und nicht nur Werke wie
Telemanns "Geduldigen Sokrates" oder Humperdincks "Hänsel und Gretel" waren
zu sehen und zu hören im Ambiente von Friedrich II einstiger
Kronprinzen-Residenz. Auch eine Opernwerkstatt junger Komponistinnen und
Komponisten zeigte erste Ergebnisse im vor fünf Jahren wieder errichteten
Theater.
OBERMÜLLER: Ich hab mich beworben, wurde glücklicherweise ausgewählt und
bin dann zusammen mit der Librettistin, die ich vorher schon kannte, hierher
gefahren und wir haben dann in der Gruppe das Libretto besprochen,
kritisiert, verändert, sind dann wieder heim gefahren. Und dann sind 2 Jahre
ins Land gegangen, in denen die erste Opernwerkstatt stattfand und wir haben
uns dann wieder getroffen im Januar diesen Jahres und haben dann mit
Regisseuren und Dirigenten meine komponierte Szene kritisiert.
Karola Obermüller. Eine der sechs Komponisten der Rheinsberger
Opernwerkstatt, die einzige Frau. Dunkelrot heißt ihr Stück. Musikalisch die
interessanteste Vorlage. Eine Geschichte um eine afrikanische
Rechtsanwältin, die Asyl sucht in Deutschland.
OBERMÜLLER: Eigentlich ist es sehr einfach es umsetzen, weil wir uns in
der Zeit befinden, in der diese Problematik aktuell ist. Ich muss einfach
mir nur die Nachrichten anschauen, ich muss einfach nur heute leben und
finde auch, wir leben in einer sehr extremen Welt. In meiner Musik drückt
sich das aus dadurch, dass es sehr Lautes und sehr Leises gibt und wenig in
der Mitte oder ganz Langsames wie in Zeitlupe oder ganz rasend Schnelles,
dass man wirklich sehr schnell von einem Zustand in den anderen kippen kann.
Ich meine, man kann auch ganz schnell Arbeitslosengeld II-Empfänger werden
heutzutage.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Mario Wiegand. Er arbeitet an einer
Kinderoper. Kater, erzähl mir ein Märchen! heißt sie. Tierfiguren wie Katze,
Ente, Elefant sind die tragenden Rollen. Und ein Opernabonnent, der endlich
mal sich Gehör schaffen will. Die Musik ist witzig gemacht, erinnert etwas
an Schostakowitsch und Strawinsky.
WIEGAND: Also ich habe jetzt nicht speziell an einen bestimmten
Komponisten gedacht, sondern versucht eine bühnenwirksame Musik zu
schreiben. Es soll ja ein Stück in erster Linie für Kinder sein, also eine
rhythmisch prägnante Musik. Aber in erster Linie ist es ein Stück, soll es
ein Stück werden – es ist ja noch nicht fertig -, das halt auf der Bühne gut
funktioniert und das auch junge Theaterbesucher für die Oper begeistert.
Auch Historisch-Romantisches, Mythologisches, Literarisches und
Satirisches ist im Angebot wie ein gemeinsames Mittagessen von Hitler,
Himmler, Göhring und Eva Braun in der Wolfsschanze.
MATTHUS: Natürlich sind das nicht fertige Stücke. Die sollen es auch
nicht sein. Sondern hier, denke ich, haben die Komponisten jetzt sehr viel
gelernt. Und wir wollen jetzt und wünschen, dass möglichst viele Theater
jetzt sich ein Stück aussuchen und dem Librettisten und Komponisten einen
Auftrag geben.
So Siegfried Matthus. Er hat nach der Wende die „Kammeroper Schloss
Rheinsberg“ gegründet. Die Opernwerkstatt war immer sein besonderer Traum.
Nun konnte er den zum zweiten Mal realisieren, auch wenn das Geld dafür erst
in letzter Minute sicher war. Mit den Kollegen Aribert Reimann und Georg
Katzer hat er dem kompositorischen Nachwuchs assistiert.
MATTHUS: Das schöne Mittel war ja die Praxis, dass sich die Komponisten
und Librettisten mit den Sängern, mit dem Regisseur, mit dem Kapellmeister
das Stück selbst erarbeitet haben und auch gesehen haben, welche
Schwierigkeiten sie den Sängern oftmals bereiten durch vertrackte Rhythmen
und solche Geschichten. Und ich denke, dass alle Komponisten mit großen
neuen Erfahrungen aus dieser Werkstatt herausgehen.
Künstlerisch erfolgreich, hatte Matthus in diesem Jahr besonders gegen die
Widrigkeiten des Wetters zu kämpfen. Fast nichts konnte wie geplant unter
freiem Himmel stattfinden. Der Torismus in dem kleinen Städtchen im
Brandenburgischen Norden freilich blüht. Will Matthus also weiter machen wie
bisher?
MATTHUS: Ja, was bleibt mir anderes übrig?
▲
Bonbons und Ariadnefäden
Sommer 1999
Die Geschichte von den Windsor-Ladies,
die ihre Männer mitsamt dem aufgeblasenen Junker Falstaff zum Esel machen,
als Yellow-Press-Bonbon: So ähnlich war das wohl gedacht; und ein
entsprechendes Schnullutensil in Großformat wird zu Beginn ins Rasennest
gelegt. Fahrradelnde Postboten, Pferdedroschken, ein echter Wirt und ein
ganzer Männerchor von in Tüll gesteckten Elfen werden aufgeboten, um diese
Story aufzupeppen: Shakespeare für die gemütliche Opernbühne des
19.Jahrhunderts. Doch je mehr der Aufwand wächst, um so dürrer, je mehr
Ausstatter Martin Rupprecht heranschaffen muss an Kostümen, Masken, Ideen,
um so klappriger wird das Spiel. Das Lotterbett der Frau Fluth rollt
herein als verspiegelter schwarzer Kasten auf einer Schräge; Lady Reich
harrt der amurösen Dinge mit dem Cello zwischen den Beinen, und
gelegentlich "übt" sie schon mal. Dass der Sir John am Ende als hohles
Gerippe in sich zusammen stürzt - fast ein Wunder.
Einige Mühe hatte Götz Fischer
als Regisseur denn doch, das Stück über die Rampe zu kriegen. Und
sein Ausstatter Martin Rupprecht konnte die Defizite kaum
ausgleichen. Aber von den jungen Sängerinnen und Sängern gab's doch
manchen zu bewundern. Zumal die junge Kanadierin, Ingrid Mankhof, glänzte
mit Soubretten-Leichtigkeit. Die Rolle der Frau Fluth legt sie hin so sexy
wie charmant. Und mit Nicola David hatte man auch einen stimmlich sehr
vielversprechenden (vergeblichen Liebhaber) Spärlich. Otto Nicolais
komisch-fantastische Oper Die lustigen Weiber von Windsor ist die
letzte von drei Opern-Produktionen des diesjährigen Rheinsberger Sommers.
Gespielt wird sie im durch eine neue aufsteigende Bestuhlung
publikumsfreundlich restaurierten Hecken-Theater. Im Schlosshof zu sehen
gab es diesmal Rossinis "Aschenputtel". Als große Begabung zeigte sich
hier die Rumänin Claudia Codreanu, perfekt in den Koloraturen. Michael
Temme und Bettina Bender hatten das Stück in ein 50iger-Jahre
Hollywood-Glamour-Umfeld verfrachtet mit Swimmingpool und Flamingos.
Besonders
beeindrucken indes konnte die Eröffnungsproduktion: Françis Poulencs
Menschliche Stimme,
der nach einem Text von Jean Cocteau komponierte Telefon-Monolog einer von
ihrem Liebhaber verlassenen Frau, die verzweifelt an der Liebe und am Leben.
Als wunderbar sensibel in den lyrischen Partien, aber auch kraftvoll in den
dramatischen Szenen konnte die junge Gerlinde Sämann das
Publikum begeistern. Dass diese Sängerin blind ist, ließ die
behutsam-spannungsvolle Inszenierung
Arila Siegerts glatt vergessen. Zwei Tänzer (Iris
Sputh, Dieter Hülse) beleuchten das Innere der
wie in einen Ariadne-Telefon-Faden eingesponnen Figur. In einer Mischung aus
Musik- und Tanztheater entsteht ein bewegendes Psychogramm. Gespielt wurde
in einem "geschlossenen" Raum, dem durch weiße Tücher zu einem schlichten
Spielort umgestalteten Altar der Laurentiuskirche, zwischen dessen vier
Säulen wie in einem selbstgewählten Kerker diese Frau von ihrer
Vergangenheit sich löst. Freilich nur in einem solch geschlossenen
Theater-Raum ist eine so konzentrierte Arbeit wie diese auch denkbar.
Erstmals nächstes Jahr wird ein
solcher dann insgesamt für das Festival zur Verfügung stehen. Zu
Jahresende wird das in den letzten Kriegstagen leicht zerstörte, dann dem
Verfall preisgegebene einstige Schloss-Theater wieder aufgebaut sein.
Eingeweiht wird es mit der Uraufführung der Kammeroper Kronprinz
Friedrich von Siegfried Matthus. Für den 65jährigen Gründer und
Leiter des Festivals Kammeroper Schloss Rheinsberg vollendet sich
dann sein Jugendtraum. Schon vor der Wende hatte er an einem Festival für
den Bühnennachwuchs gebastelt. Damals fehlte es zu dessen Realisierung an
Geld. Heute ist Rheinsberg ein Fixpunkt in der nördlichen Mark
Brandenburg. Der Ort ist erblüht durch den Tourismus. Die Turbulenzen, die
die Kammeroper letztes Jahr fast zum Kippen gebracht hätten im Streit um
die künftige Bespielung des Schloss-Theaters, will man nun möglichst ganz
vergessen. In der Stadt weiß man im nunmehr neunten Festival-Jahr sehr
genau, was man Matthus verdankt. Und auch der für Kultur zuständige
Minister des Landes, Steffen Reiche, versuchte sich bei einer
Pressekonferenz zu Beginn des Festivals in Komplimenten an Matthus, wenn
er vorrechnete, dass sein Festival nur ein Drittel der Subventions-Summe
pro Sitzplatz verbrauche, die ein städtisches Theater sonst beanspruche.
Dass gerade im Land Brandenburg heuer verfügt wurde, gleich zwei Theater
müssten ihren Betrieb reduzieren oder ganz einstellen, bekümmerte ihn
nicht weiter. Es ist Wahlkampf.
▲
Flöten und Ruten
Wiedereröffnung des Schlosstheaters Rheinsberg mit
Kronprinz Friedrich, der zehnten Oper von
Siegfried Matthus, einer Uraufführung
30.Dez.1999
Schon Theodor Fontane fragte sich, warum der kluge, geistvolle Prinz
Heinrich, dies von den nobelsten Empfindungen inspirierte Menschenherz,
so viel weniger populär wurde als sein trotz all seiner
Voltaire-Schwärmerei eher von kurbrandenburgischer Derbheit
geprägter Bruder Friedrich. Fontane führte Heinrichs mangelnde
Volkstümlichkeit zurück auf das prononciert Französische in seiner
Art. Des Prinzen kostbarste Hinterlassenschaft, das 1774 eingeweihte
Theater, jedenfalls stand seit Heinrichs Tod 1802 verwaist. 1945 in den
letzten Kriegstagen zerfetzte eine Granate das Dach. Das Gebäude, im
Inneren wesentlich aus Holz gebaut, verfiel mangels Sicherung. Die DDR,
die in den Schlossanlagen ein Sanatorium untergebracht hatte, wollte es
ganz abreissen. Als Siegfried Matthus nach der Wende in Rheinsberg seine
Kammeroper für junge Bühnenkünstler eröffnen konnte, setzte er den
Wiederaufbau dieses Theaters - von vielen belächelt - gleich mit auf die
Agenda. Nun konnte die Wiedereröffnung gefeiert werden.
Für 14 MioDM ist hier
ein Studiotheater entstanden, das dank seiner Variabilität im Inneren das
wieder ermöglichen könnte, was Rheinsberg zu Zeiten Friedrichs und
mehr noch zu denen Heinrichs einmal war: ein Musenhof, der Publikum
bis aus dem hundert Kilometer entfernten Berlin anzog und von dem eine 1791
nach der Revolution in Frankreich an diesen Ort geflüchtete Marquise meinte,
auch für ein Pariser Publikum hätte dies Theater Besonderes zu bieten. Bis
zu 350 Besucher finden Platz. Variabel sind durch Hubpodien Bühne sowie
Parkett gestaltet. Einladend treten unter dem Rohputz die massiven
Backstein- und Sandsteinfindlingswände des Baus schon im Eingangsfoyer
zutage. Die Technik wird auf einer umlaufenden Brüstung installiert. An der
Decke des Raums hängt ein Stahlkonstrukt in moosgrau mit konvex geformten
Beleuchtungs- und Reflexionselemente.
Die
Theatereinweihung ist Teil einer Rekonstruktion der Schlossanlagen, die
2002 beendet sein soll. Mit dem schon neu erbauten Künstlerhaus und der
Renovierung des Kavalierhauses als Residenz der Musikakademie werden
insgesamt 23 Millionen DM investiert. Die Eröffnungspremiere,
Siegfried Matthus' zehnte Oper Kronprinz Friedrich,
huldigt zwar nicht dem eigentlichen genius loci, dem Theatergründer Prinz
Heinrich, sondern seinem, mit Fontane zu sprechen, "derberen" Bruder. Es
ist indes eines der stärksten Werke des mittlerweile 65jährigen
Komponisten und Festivalmachers. Wie im für die Wiedereinweihung der
Semperoper 1985 entstandenen Cornet widmet die neue Oper sich den
Nöten Pubertierender.
Erzählt
wird (Libretto: Thomas Höft) in abwechselnd dramatischen
und epischen Szenen die Beziehung des jungen Friedrich zu Leutnant Katte
einerseits und zur Kantorentochter Dorothea Ritter andererseits, die
geplante und vereitelte Flucht der jungen Leute ins freier leuchtende
England, der Prozess, die Beugehaft Friedrichs und die Hinrichtung Kattes.
Besondere musikalische
Attraktion von Matthus' 70minütiger, höchst expressiver Oper ist die
Besetzung des Kammerorchesters mit unter anderem einem Ensemble von 14
Flöten - vom pfeifenden Piccolo bis hinunter zur übermannsgroßen, einen
samtenseidigen Klang verströmenden Subkontrabassflöte. Höhepunkt ist die
Auspeitschungsszene. Der fromme Choral Was Gott tut, das ist wohl getan
wird da garniert mit Rutenschlägen aufs Podium. Unter Rolf
Reuters straffer Leitung tun sich vor allem Karen Leonie
Leiber in der Hosenrolle des Kronprinzen Friedrich und
Julia Rempe als Dorothea hervor. Auch die übrigen Rollen dieser
vor allem hörenswerten Produktion (Regie:
Götz Friedrich
seine letzte Uraufführungs-Produktion], Bühne: Reinhart Zimmermann)
sind durchweg hervorragend besetzt.
▲
C.H. Grauns Cäsar und Cleopatra
4.Aug.2001, 2.Auff.
In Rheinsberg geht’s
mittlerweile an manchen Wochenenden zu wie in einem Bienenstock mit Blasmusik-Umzügen,
Modenschauen in den Cafés. Verhallt die märkische Ruhe von einst.
Nebeneffekt von Siegfried Matthus’
unermüdlichem Werben für sein Nachwuchs-Sänger-Projekt „Kammeroper Schloss
Rheinsberg“. Im elften Jahr ist es größer den je. Der Etat ist
angeschwollen auf mittlerweile 1,8 Millionen DM. Aus Mitteln der
Gema-Stiftung kann Matthus demnächst auch seinen lang gehegten Wunsch einer
Opernwerkstatt für junge Komponisten realisieren. Die Ausschreibungen
sollen jetzt erfolgen.
Eher ruhig ist’s an
diesem Sonnabend-Nachmittag. Die Wetterfrösche
quaken zwar "schönes Wetter heute Abend". Und die Sonne kommt dann auch
tatsächlich noch mal wieder. Aber es regnet bis eine halbe Stunde vor dem
avisierten Vorstellungs-Beginn, dazu lausig kalt. Statt im Heckentheater
Cäsar und Cleopatra im Kampf mit den Mücken also Umzug in die
trockene, insektenfreie Lagerhalle am Ortsrand. Die ist inzwischen zwar
auch recht ordentlich hergerichtet, akustisch allerdings noch heikler, und
Sicht auf die Bühne nur auf den vorderen Plätzen garantiert. Im Preußenjahr,
für das das Publikum sonst aber diesmal nach der großen
Wiedererweckungsshow vor knapp zwanzig Jahren offenbar nur wenig sich
begeistern kann, hat Matthus die Oper
hervorgeholt, die der Rheinsberger genius
loci, Friedrich II, nach seinem Aufstieg auf den Berliner Regenten-Thron
1742 zur Einweihung seines neuen Opernhauses Unter den Linden sich von
Hofcompositeur Carl Heinrich Graun schneidern
ließ. 1992 zur Eröffnung seiner Amtszeit ließ Daniel Barenboim sie an dem
Hause schon mal hervor kramen, damals in einer mustergültigen Produktion
unter René Jacobs und mit Fred Berndt als Regisseur und Ausstatter. Daran
erinnert man sich aber bei dieser Rheinsberger Wiederbegegnung besser nicht.
Matthus' Kosten minimierende Koproduktions-Strategie führt ihn bisweilen seltsame
Wege. Das Theater Hof, das er sich - nach einer Produktion seiner
Farinelli-Oper dort vor Jahren - als
Partner ausgeguckt hat und wo die Produktion zu Beginn der kommenden
Spielzeit auch noch ein paar Mal wiederholt werden soll, bietet mit seinem
künstlerischen Leitungs-Personal doch allzu wenig Reize.
Vom Regisseur
Uwe Drechsel werden die jungen Sängerinnen und
Sänger mit hilflosem Steh- und Posentheater kläglich im Stich gelassen.
Der Dirigent Roger Boggasch, zum ersten Mal
mit Barock-Oper befasst, gibt sich zwar erkenntliche Mühe bei der
Akzentuierung und Phrasierung des gefälligen musikalischen Textes. Aber
die Brandenburger Symphoniker können da auch nur begrenzt folgen. Vieles
klingt dumpf, zu sehr vermisst man den barocken Silberklang. Und die
jungen Sängerinnen und Sänger können auch nur bedingt überzeugen. Mit
zierlicher Stimme und auch schon gewisser Bühnenausstrahlung die Cleopatra
der Koreanerin Bin Lee. Überforciert singend und eher verkrampft agierend
aber der Cäsar der Bulgarin Dora Kutschi. So
was wie Liebesspiel zwischen den beiden entwickelt sich da nie. Eher ein
unsinniges Feixen untereinander und Flirten zum Publikum mit Beifall
heischenden Verbeugungen an den Arien-Enden. Insgesamt schwach die wenigen
Männer. Gibt’s zu wenig Auswahl? Waren sie falsch eingesetzt, technisch
überfordert? Von den Nebenfiguren noch am interessantesten die Schwedin
Cäcilia Lindwall als Cäsars Vertrauter Lentulo, aber die Regie versagt auch hier
vollkommen, ihre Verkrampfungen zu lösen wie auch der Süd-Koreanerin Kim
Kyong-Suk den aufgesetzten Puccini-Pomp als Pompeo-Witwe Cornelia zu nehmen.
Matthus, der in diesem Jahr
neben einer konzertanten Werther-Aufführung zu Beginn unter anderem
eine von den beiden Herrmanns "künstlerisch beratenes"
Pasticcio diverser Orpheus-Kompositionen
von Peri bis Offenbach an verschiedenen Orten
des Schlossparks fürs Programm aufgeboten hatte, wird doch wieder mehr
darauf achten müssen, dass die jungen Sängerinnen und Sänger musikalisch
wie szenisch auch wirklich sie fordernde und fördernde Aufgaben bekommen,
soll die "Kammeroper" nicht als bloßer Streusel auf dem touristischen
Backblech verkrümeln.
▲