Johann Kresniks Opern-Uraufführung „Die sechste Stunde“ in Gera
21.November 2003
Besuch
im GULag oder im KZ – oder in
Guantánamo? Eine Frau in
schwarzem transparent-schulterfreiem Kleid mit schwarz verhängtem
Gesicht stürzt ins Parkett, begleitet von ihrem Alter Ego, einer
Tänzerin. Sie stürmen durch die Reihen, klettern über die Besucher. Auf
der Rangempore erscheint eine Figur in Weiß mit ordensgeschmückter
Lametta-Brust, der Kommandant. Er gibt seine Anweisungen – eine
Sängerin. Die grauen Tore der Strafkolonie öffnen sich. Der Offizier,
ebenfalls eine Sängerin, stellt sich vor auf seinem abgewetzten
Hinrichtungsblock als Richter und Schlächter in einem. Eine
Pennäler-Gruppe mit bunten Blumensträußen umlagert den Richtplatz, aus
dem später der Gefangene seinen Kopf stecken wird. Die Gaffer nehmen
erwartungsvoll Platz in der ersten Reihe.
Dass ein Opernhaus in den neuen Ländern eine Uraufführung in Auftrag
gibt, ist nichts Alltägliches. In Gera, wo man letztes Jahr das
100jährige Jubiläum des Theaters feiern konnte, inzwischen aber der
finanzielle Haussegen so schief hängt, dass der Intendant René Serge
Mund vorzeitig aus dem Amt scheidet, wollte man sich das leisten und
betraute den holländischen Dirigenten und Komponisten Johan Maria
Rotman mit der Komposition. Als Vorlage seiner Kammeroper Die
sechste Stunde wählte der sich Franz Kafkas Erzählung In der
Strafkolonie. Und Regisseur Johann Kresnik macht daraus ein weit
schweifendes Assoziationstheater. Es ist weniger grell, als man es von
ihm gewohnt ist, dennoch pointiert genug, wenn auch in der zweiten
Hälfte mit leichten Durchhängern.
Der Reisende, der hier eingeladen ist, um einer Hinrichtung beizuwohnen,
kommt als rasender Reporter. Mit Video-Kamera verfolgt er das Geschehen
auf der Bühne. Die Bilder werden live auf die geöffneten Lager-Tore am
Bühnenportal projiziert. Dazu andere, vorproduzierte Bilder, wie etwa
der Besuch der Fremden und ihrer Begleiterin in einem Uran-Tagebau –
Anspielung auf einen sehr konkreten Ort in der Nähe Geras. Offizier,
Kommandant und Fremde kommen sich auch körperlich einander näher. Das
Terzett der drei Frauen ergibt eine schrille Mischung, wie sie vom
Komponisten beabsichtigt ist als Flammzeichen gegen die Gewalt, derweil
die Tänzerin in heftigen Zuckungen immer wieder sich in den strahlenden
Uranboden wühlt. Ein Reigen von BDM-Mädels mit blonden Zopfperücken
fordert gleichwohl stoisch und frohgemut die Vorführung von Opfern. Und
sie bekommen was geboten.
Rotmans Musik ist eine sehr brauchbare Theatermusik, vielgestaltig, ohne
Scheuklappen, streng in hell und dunkel schattiert, wenn auch nicht
gerade „avantgardistisch“. Dazu freilich hätte er auch kaum Johann
Kresnik gewinnen können für die szenische Umsetzung. Kresnik will
Theater, das etwas mitteilt, das sich einbringt. Der Lagerzaun wird hier
am Ende krachend nieder gerissen, der Offizier opfert sich. Wie ein
Schinken aufgehängt in einem Leichensack, wird er verbrannt. Der
Gefangene schlüpft in die Uniform des Kommandanten. Als Benjaminscher
Engel, der Unheil gebiert, zieht der/die am Ende mit schwangerem Bauch
über die Bühne. Die Fremde, die sich die Maske vom Gesicht gerissen hat,
entzündet den Kinderwagen und die Schleppe der Unheil-Schwangeren wie
einen Kometen-Schweif.
Mit großem Engagement ist unter der musikalischen Leitung von Gabriel Feltz das ganze Ensemble bei der Sache. Für die Partien von Offizier und
Kommandant konnte man mit Monique Krüs und Christiane Mikoleit
ausgesprochene Spezialistinnen gewinnen. Aber auch die Fremde ist mit
Gerlinde Illich, die auch tänzerische Aufgaben zu bewältigen hat,
glänzend aus dem Haus besetzt, begleitet von Daniela Greverath als Alter
Ego. Das etwa 75-minütige Stück, später auch transferiert in die
Dependence Altenburg, ist ein mutiges Unterfangen. Die Premiere wurde
geradezu enthusiastisch vom Publikum aufgenommen im voll besetzten
Geraer Haus.
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Wir erledigen die Rätsel
Johann Kresniks Dresdner Hans-Henny-Jahnn-Projekt
13.April 2002
Eine Frau hackt sich ihre Leibesfrucht aus dem Uterus und gibt die
Nabelschnur ihrem Partner zu verspeisen. Eine andere
treibt's auf dem Euter einer rücklings
liegenden BSE-Kuh. Alma bekennt ihre Liebe zu dem von den Glatzen
gejagten Farbigen James, den sie schon unter einen Holzbalken wie ans
Kreuz nageln, indem sie ihm einen Mundvoll Sekt aufs entblößte Glied
bläst. Starker Tobak. Starke Bilder? Johann Kresnik nennt so was
Politisches Theater. Und er fühlt sich als dessen letzter Mohikaner. In
Lateinamerika hat er zuletzt viel inszeniert. Die haben dort "überhaupt
keine Hemmungen", erzählt er im Interview. Und mit einer Produktion in
Mexiko habe man es sogar auf die Titelseite einer Zeitung geschafft.
In
Dresden am Staatsschauspiel waren sie ihm schon lange hinterher. Der
vorige Intendant Dieter Görne und
auch der neue Holk Freytag. Er hat’s
nun geschafft. Kresnik ist nicht mehr gebunden an der Berliner
Volksbühne. Mit Picasso hat er sich dort im Januar verabschiedet.
Nun hat er sich Hans Henny Jahnn zugewandt - auch so eine Figur, wie
Kresnik sie liebt, ungebärdig, unangepasst, quer.
Ein frühes
Passionsstück über den Leidensweg eines jungen Mannes, Straßenecke
(1931), und ein spätes Antiatomstück, Die Trümmer des Gewissens
(1959), haben Kresnik und sein Dramaturg Christoph Klimke zu einem
Hans-Henny-Jahnn-Projekt gekoppelt. Das erstere schrieb Jahnn nach
dem Tod seines Intim-Freundes Harms. Über das letztere
urteilte ein Hans Mayer, es sei "bis zur Absurdität" misslungen.
Kresnik ficht das nicht an. Er montiert in
den Komplex noch Motive aus dem realen Nachwende-Leben, als ein junger
Mocambiquaner aus einer Dresdner Straßenbahn hinausgeworfen wurde, und
mixt alles zu einem bluttriefenden, strahlenden Cocktail aus Fremdenhass
und Zukunftsangst. Traurige Protagonistin des Trümmer-Teils ist eine
Indio-Frau, die letzte ihres Stammes, Tiripa.
Als Opfer der modernen Wissenschaft humpelt die Genmanipulierte mit
strohummanteltem Kopf und wundübersäten Beinen (Kostüme: Franziska
Just) durch die Bühnenlandschaft. Die wird imaginiert gleich zu Beginn
als ein kadaververhängtes Schlachthaus. Zu
einem Stillleben aus Schweinen, Ochsen, Eseln, Geiern am Haken säuselt
der Chor vom Band das schmalzige Heimat-Lied
aus seligen FDJ-Zeiten. Dann wandelt sich die Bühne (Bernhard Hammer)
in einen Container-Abladeplatz, umgrenzt von einem Drahtzaun, mit hoch
gestapelten Behältnissen, die mal Straßenbahnzug, mal Müllentsorgung,
mal Leinwand für Live-Reality-TV sind, und
aus denen später tote Schwarzbunte mit aufgeblasenen Bäuchen gekippt
werden. Deren von Innereien ausgekratzte Karkasse bietet aber auch schon
mal schützendes Versteck für die von der Meute Gejagten.
Die
Darsteller, bis auf die Tänzerin Simona Furlani
aus Kresniks Team (ein bekanntes Gesicht wollte der Choreograf
wenigstens um sich haben), sind Mitglieder des Dresdners
Staatsschauspiels, voran Falilou Seck als Farbiger James und Tessa
Mittelstaedt als seine Ratten im Bauch
nährende Freundin Alma; dazu Schauspielstudenten und eine vielköpfige
Komparserie. Wacker kämpfen die sich durch die Wolken von Mehl und
Staub, die Haufen von Müll und die Wannen und Eimer mit Wasser und
Theaterblut. Viel müssen sie rennen, akrobatisch an Containern rauf und
runter klettern, in Seilen sich schwingen, rhythmisch im Takt
Telefonhörer schwenken oder mit paarig zu Lichterkränzen gebündelten
weißen Ratten jonglieren, die eine Dame in Schwarz mit breitkrempigem
Hut als personifizierter Tod spazieren führt.
So manche Heroen der Zeit- und Geistesgeschichte von Meinhof über Nietzsche
bis zu Jünger, Goya und Huxley hat Kresnik bisher porträtiert. Der
Jahnn-Abend zwischen Choreografischem Theater und Schauspiel hat wie
immer auch viel von Kolportage. Die Texte liefern immerhin doch einiges
an Substanz - mit déjà-vu-Effekt. Am Ende
breitet sich Erschöpfung aus. "Wir erledigen die Rätsel" ist weise eine
der Szenen übertitelt. Eingeläutet werden die zwei pausenlosen Stunden
durch eine wohlig-eindringliche Lesung per Lautsprecher von Pasolinis
Il mondo del lavoro
(Die Arbeitswelt). Ansonsten werden die Ohren immer wieder zugeschüttet
mit greller Rockmusik (Livio Tragtenberg),
die Augen mit knalligen Bildern. Nur einen winzigen Moment gegen Ende
darf man auch mal innehalten. Der Beifall zum Schluss kommt zögerlich.
Einige Besucher sind vorzeitig abgewandert. Für den Choreografen gibt’s
leise Buhs. War man erschüttert von Kresniks Amoklauf durch offene
Türen? Eher mit Amüsement hat man einer Attraktion des
Gutmensch-Business beigewohnt.
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Tanztheater Bonn: Zum Abschied lässt Kresnik es richtig krachen
Einer wie er geht nicht einfach so. Der „Ring“ total vertanzt als
Gedärm-Gemetzel
Von Bettina Trouwborst, in WZ 13.02.2008
Siegfrieds Ziehvater Mime kriecht aus dem Untergrund. Er legt
seine Militärjacke ab, um sich am Bühnenrand zu übergeben. Der „Ring des
Nibelungen“ liefert kein Motiv für diese Eingangsszene und sieht aus wie
ein Kommentar Johann Kresniks zur tanzpolitischen Entwicklung in Bonn.
„Ring II – Siegfried/Götterdämmerung“ ist sein letzter Streich am Rhein,
nachdem der Stadtrat den Vertrag nicht verlängert und gleich die ganze
Sparte abgeschafft hat. Für die kommende Spielzeit hat die Oper Bonn
sich mit Gastspielen versorgt, die Idee eines Köln-Bonner Ensembles
schwebt konturenlos im Raum.
Ein Johann Kresnik geht nicht einfach so. Zum Abschied lässt er es
richtig krachen. „Ring II“ inszeniert er als Spektakel der
Zerstörungswut, als Ekel-Schocker. Ein echter Kresnik halt, über den man
schmunzeln könnte. Wäre da nicht der Unmut über die so offensichtliche
Lieblosigkeit, mit der der 68-Jährige ans Werk ging. War „Ring I“ im
Dezember 2006 noch inspiriert von der Idee, Richard Wagners Tetralogie
mit dessen Biografie zu verbinden, bleibt Kresnik im zweiten Teil in
hohler Selbstgefälligkeit stecken. Zwei Pianisten hämmern dazu
atmosphärische Klänge (Gernot Schedlberger). Der drastische Formulierer
suhlt sich einfallslos in seiner Lust am Unästhetischen.
Das mythische Weltgedicht benutzt er nur, um seine antikapitalistische
Weltanschauung in zahllosen Selbstzitaten herauszuposaunen. Richard
Wagner ist kaum mehr als Statist. Der ideologische Missbrauch seines
Werkes durch die Nazis liefert den willkommenen Anlass, einmal mehr
Karikaturen von Nazi-Einheiten aufmarschieren zu lassen. Siegfried und
Brünnhilde, todgeweiht, kommten als Gruftis mit weiß geschminktem
Antlitz daher. Der Held in Leder mit treuem Blick, schuldig doch allein
durch Unwissenheit, dient Kresnik buchstäblich als Projektionsfläche:
Diktatorische Herrscher, islamistische Selbstmordattentäter oder
schießwütige Amokläufer in Schulen – alle bannt er auf Siegfrieds
Körper. Das Böse steckt in ihnen allen, da muss man wohl nicht weiter
differenzieren.
Der Ring-Zyklus – ein Gemetzel. Der Riese Fafner wird bestialisch
ermordet und ausgeweidet, seine Gedärme fliegen durch die Luft. Hagen,
ein Schwarzer, beißt Siegfried zu Tode, dass das Blut sprudelt. Aus dem
Ring, ein goldner Lkw-Reifen, werfen fanatische Wagnerianer mit Schlamm,
dass es bis ins Publikum spritzt. Eine Szene vermag dem inszenatorischen
Getöse für einen Moment Tiefe zu verleihen. Eine alte Frau in
Trauerkleidung bewegt sich in deutschem Ausdruckstanz (Anspielung an
Kurt Jooss’ „Der Grüne Tisch“). Lautstark geht die Welt unter, samt
Menschen und Göttern. Brünnhildes riesiges Bett (imposante Ausstattung:
Gottfried Helnwein) kracht zusammen, ein goldener US-Schlitten knallt
auf Schrottautos. Aus einem Kühlschrank, der am Bühnenhimmel baumelt,
fallen mit ohrenbetäubendem Lärm Cola-Flaschen in den Orchestergraben.
Das Publikum reagierte teilweise amüsiert. Kresnik mag es gleichgültig
sein. Er sei bis 2012 ausgebucht. Sein Ensemble löst sich nach 40 Jahren
auf.
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Offizielle Biografie (Stand Ende 2003)
Johann Kresnik wurde 1939 als Sohn eines Bergbauern in St. Margarethen
(Kärnten/Österreich) geboren. Nach seinem Schulabschluss arbeitete er
parallel zu einer Werkzeugmacherlehre als Statist an den Vereinigten
Bühnen in Graz, wo er auch seine Tanzausbildung begann. Einen ersten
Vertrag als Gruppentänzer erhielt er 1959 bei Jean Deroc in Graz.
1960 wechselte er mit ihm an das Theater Bremen. 1961 ging er an die
Bühnen der Stadt Köln (Ballettdirektion Aurel von Milloss), wo er ab
1964 als Solotänzer engagiert wurde. In den folgenden vier Jahren
arbeitete er u.a. mit John Cranko und Agnes de Mille sowie als
Gasttänzer bei George Balanchine in New York.
1967 stellte Kresnik sich erstmals mit dem abstrakten Ballett O SELA
PEI am Ballettstudio der Kölner Bühnen als Choreograph vor. Die
Studentenunruhen von 1968 und die Begegnung mit Ernst Bloch führten
ihn jedoch alsbald vom abstrakten zum handlungsbestimmten Ballett mit
deutlich politisch-sozialkritischem Impetus. So schuf er 1968 mit
PARADIES?, einem Tanzstück über das Attentat auf Rudi Dutschke, die
erste deutsche politische Choreographie seit dem Jahre 1932 ( Kurt
Jooss DER GRÜNE TISCH). Im selben Jahr engagierte Kurt Hübner den
knapp dreißigjährigen Kresnik als Ballettdirektor an das Bremer
Theater, wo er in den folgenden Jahren seinen eigenen radikalen
choreographischen Stil entwickelte und manifestierte, indem er ihm
1973 den Namen „Choreographisches Theater“ gab. Seine kritischen,
politisch motivierten Tanzstücke wie SUSI CREMECHEESE,
KRIEGSANLEITUNG FÜR JEDERMANN, FRÜHLINGS-WURD, PIGasUS, SCHWANENSEE
AG, TRAKTATE, DIE NIBELUNGEN, ROMEO UND JULIA, BILDER DES RUHMS,
JESUS GMBH und MAGNET erregten schnell Aufsehen.
1979 ging Kresnik als Choreograph, Regisseur und Leiter des
Tanztheaters ans Theater der Stadt Heidelberg und machte das dortige
Ballett mit provokanten Produktionen wie z.B. FAMILIENDIALOG, MARS
oder SYLVIA PLATH zu einer der führenden deutschen
Tanztheatergruppen. Seit den Inszenierungen von ARTURO UI von Brecht
(1981) und Heiner Müllers GERMANIA TOD IN BERLIN (1988) hat sich
Johann Kresnik, der in seinen eigenen Produktionen eng mit
Librettisten, Komponisten und Bildenden Künstlern zusammenarbeitet,
immer wieder auch als Schauspielregisseur und später auch als
Opernregisseur profiliert. 1989 verabschiedete sich Kresnik von
Heidelberg mit ÖDIPUS - nach MACBETH dem Mittelteil einer Trilogie
über die Macht und ihre Folgen, die er mit dem österreichischen
Künstler Gottfried Helnwein erarbeitete – und kehrte wieder zurück
nach Bremen als Leiter des Tanztheaters. Hier entstand 1990 sein
Choreographisches Theater ULRIKE MEINHOF und ein Jahr später mit der
Umsetzung von Shakespeares KÖNIG LEAR der dritte Teil der oben
erwähnten Trilogie. Im Februar 1992 fand nach jahrelangen Recherchen
über die mexikanische Malerin FRIDA KAHLO in Bremen die Uraufführung
des gleichnamigen choreographischen Theaters statt. In WENDEWUT
beschreibt Kresnik 1993 in Anlehnung an die Erzählung von Günter Gaus
die Geschichte einer DDR-Mitläuferin, die im Deutschland der
Wendezeit in ihrem Wunsch nach Anpassung an die bundesrepublikanische
Gesellschaft scheitert. Es folgten Inszenierungen u.a. in Sao Paulo
(ZERO2), Basel (MARS) und Stuttgart (FRANCIS BACON), in
Zusammenarbeit mit dem Tänzer und Choreographen Ismael Ivo).
Mit einer stürmisch umjubelten Aufführung von ULRIKE MEINHOF
feierte Kresniks „Choreographisches Theater“ im Oktober 1993 seinen
Einstand in Berlin, wo Kresnik noch im selben Jahr zusammen mit
Castorfs Schauspielern die politische Revue ROSA LUXEMBURG zur
Uraufführung brachte. Im April 1994 verabschiedete sich Kresnik mit
NIETZSCHE, dem Auftakt seiner DEUTSCHEN TRILOGIE, die sich mit
philosophisch-künstlerischen Positionen im Verhältnis zum Faschismus
befasst, als Direktor des Bremer Tanztheaters. Mit Beginn der
Spielzeit 1994/95 wechselte Johann Kresnik mit seinem Ensemble an die
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Hier wurde im Dezember
1994 ERNST JÜNGER, der zweite Teil der DEUTSCHEN TRILOGIE,
uraufgeführt. Im April 1995 schloss Kresnik diese Trilogie über
Wegbereiter, Mitläufer und Begleiter des deutschen Faschismus mit der
Inszenierung von GRÜNDGENS ab, die in Koproduktion zwischen der
Volksbühne und dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt
wurde. Im Juli 1995 hatte Johann Kresniks OTHELLO (in Zusammenarbeit
mit Ismael Ivo) in Stuttgart Premiere. Zu Beginn seiner zweiten
Berliner Spielzeit brachte er dann MACBETH und HÄNSEL UND GRETEL an
der Volksbühne heraus. Im April 1996 inszenierte er am Deutschen
Schauspielhaus in Hamburg PASOLINI, TESTAMENT DES KÖRPERS. In Köln
setze Kresnik im November 1996 am Schauspielhaus mit LENI RIEFENSTAHL
die Reihe seiner getanzten Biographien fort. Es folgten 1997 an der
Volksbühne die Premiere von GASTMAHL DER LIEBE nach Pasolinis TEOREMA
und im Mai 1997 ANTONIN NALPAS, ein Pas de Deux für einen
Schauspieler und einen Tänzer; Gedanken über Antonin Artaud. Am
Theater Bremen inszenierte Kresnik im Oktober 1997 FIDELIO.
Der bedrückenden Atmosphäre des Moskauer HOTEL LUX, das nach der
russischen Revolution eine Hochburg der internationalen
kommunistischen Prominenz war, ging Kresnik in der im Januar 1998 an
der Volksbühne uraufgeführten gleichnamigen Inszenierung nach. Im
selben Jahr folgten SUBURBIO/NIEMANDSLAND als Uraufführung nach dem
Buch von Fernando Bonassi am Schauspielhaus in Hamburg, BRECHT am
Nationaltheater Mannheim und LA MALINCHE in Guanajuato und
Mexiko-City. 1999 inszenierte Kresnik an der Volksbühne am
Rosa-Luxemburg-Platz GOYA - DER SCHLAF DER VERNUNFT GEBIERT
UNGEHEUER, am Burgtheater Wien WIENER BLUT, in einem U-Boot-Bunker in
Bremen-Farge DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT von Karl Kraus, NABUCCO
am Staatstheater Saarbrücken und im November an der Berliner
Volksbühne RICHARD III als Abschluss des dortigen
Shakespeare-Rosenkrieg-Zyklus. Im Januar 2000 choreographierte
Kresnik ebenfalls an der Volksbühne DON QUIXOTE, außerdem führte er
im gleichen Jahr Regie bei ALLER SEELEN am Thalia Theater Hamburg und
am Schauspielhaus Graz bei HEIL HEIDLER HERR HUND. Zum Saisonauftakt
in Bremen 2000/2001 zeigte Kresnik Luigi Nonos INTOLLERANZA 1960. Im
Oktober 2000 choreographierte er PLAN VIA in Bogota / Kolumbien. Im
Januar 2001 fand seine Volksbühnen-Uraufführung GARTEN DER LÜSTE. BSE
nach Aldous Huxleys SCHÖNE NEUE WELT statt, im Mai am Schauspielhaus
Hannover WOYZECK.
Am 24. Januar 2002 verabschiedet sich Johann Kresnik mit der
Uraufführung von PICASSO von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.
Im April 2002 fand am Staatsschauspiel Dresden die Premiere von DIE
TRÜMMER DES GEWISSENS / STRASSENECKE von Hans Henny Jahn in der
Inszenierung von Kresnik statt, im November 2002 die Premiere von
ANTIGONE am Schauspiel Hannover und im April 2003 die Uraufführung
von Kresniks eigenem Werk VOGELER, von ihm selbst inszeniert, am
Schauspielhaus Bremen. Im April 2003 setzte Kresnik PEER GYNT bei den
Salzburger Festspielen in Szene, die Premiere in Hannover fand am 4.
Oktober statt. In Gera brachte er im November 2003 Johan Maria Rotmans Oper
DIE SECHSTE STUNDE zur Uraufführung.
Johann Kresnik ist in den letzten Jahren mehrfach für
seine künstlerische Arbeit ausgezeichnet worden. Er und sein Ensemble
wurden zu den bedeutendsten Festivals eingeladen und gastierten mit
großem Erfolg in Europa, Südamerika, Kanada, Russland und Mexiko.
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