Berauschend

Mirga Gražinité-Tyla debütiert mit dem DSO in der Berliner Philharmonie

07.12.2017

Kann Sibelius so klingen? Farbig schwingend wie ein rauschendes Klanggemälde, wie das wispernde Fächeln im Wind mit auch echoartig heterophonen Melodien, oder auch ganz zart und verhalten, oder wie ein wirbelnder Tanz in einer Sommernacht? Er kann, wenn eine solche Könnerin wie Mirga Gražinité-Tyla am Pult eines hochdotierten Orchesters steht und diese Musik bis ins Detail gleichsam vortanzt. So die litauische Dirigentin bei ihrem Debut mit dem Berliner Deutschen Symphonie-Orchester in der Berliner Philharmonie. Sibelius‘ „Lemminkäis-sarja“ (Lemminkäinen-Suite) aus den Jahren 1895-1939 stand da als Schlussstück auf dem Programm. Die Suite erzählt fast wie in einem Film Episoden aus dem finnischen Nationalepos „Kalevala“. Und der Dank des Publikums für dieses Musikerlebnis war am Ende gleichfalls berauscht und berauschend.

Applaus für Kremer und Mirga

Zuvor spielte sie mit Gidon Kremer als Solist das Konzert für Violine und Orchester op.67 (1959) von Mieczyslaw Weinberg (1919-1996), ein Werk das im Zuge der Entstalinisierung in der Sowjetunion entstand. Energiegeladen aufbrechend der Beginn, mit mancherlei Anklängen an Weinbergs Mentor Dmitri Schostakowitsch. Im zweiten Satz in ein breites Streichermelos mündend. Der dsritte Satz dann sehnsuchtsvoll, am Ende wie verhauchend. Und im vierten Satz wieder aufbrechend in einen verrückten Marsch. Als Zugabe spielte Kremer dann noch ein ganz zartes Präludium. Und schon zum Einstand gab es von den DSO-Streichern als „Zugabe“ ein kurzes Stück von Sibelius, Szene mit Kranichen, zum Gedenken an den 100.Geburtstag Finnlands am Tag davor und den 98. von Weinberg am Tag danach.

In Berlin hat die Dirigentin nach Aufführungen mit dem Orchester der Komischen Oper offenbar auch schon Fans. Die „Los Angeles Times“ krönte die junge Dirigentin, die nach Stationen u.a. in Heidelberg, Bern, Salzburg und Gastdirigaten in Los Angeles jetzt Chefdirigentin der Dirigenten-Kaderschmiede City of Birmingham Symphony Orchestra ist, schon jetzt nach einem neuerlichen Gastspiel an der US-Westküste mit Kremer als Solisten zur „Monarchin“ der Dirigenten-Zunft, verstorbene wie Leonard Bernstein inklusive. Es ist nicht zu hoch gegriffen, kann man sie beobachten bei der Arbeit und im Konzert am Pult. Man darf gespannt sein, wie lange sie Birmingham erhalten bleibt.

Foto: gf-kühn


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Konzert Mirga Gražinité-Tyla