Hinübergleiten ins
Jazzig-Tänzerische

Mirga Gražinité-Tyla mit Musikern aus Osteuropa im Konzerthaus Berlin

02. März 2018

Diese Leichtigkeit, diese Energie – auch mit diesem Konzert konnte die aus Litauen stammende Dirigentin Mirga Gražinité-Tyla erstaunen und beglücken. Diesmal nicht im eng geschnürten Kleid und mit hochgesteckten Zöpfen, überrascht sie in einem weiten gelb-roten Blüschen mit dunkler Hose. Das Programm hat man etwas umgestellt, beginnt mit kammermusikalisch begleiteten Chören von Osvaldas Balakauskas (geb. 1937), teils litaneiartig wie bei Arvo Pärt, teils rhythmisch akzentuiert folklorehaft. Als Chor-Dirigentin hat Mirga Gražinité-Tyla ursprünglich begonnen. Wunderbar wie sie hier die „Camerata Silesia“ aus Kattowice führt.

Schlussbeifall Lit.Nat.Orchester und Mirga G-T

Dann der Knaller des Abends, ein Duo von Solovioline und Klavier mit Streichorchester, „Bruderschaft“ von Vakhtang Kakhidze (geb. 1959). Dabei höchst virtuos und fulminant musikantisch Mirgas quicklebendige jüngere Schwester Onuté Gražinité am Flügel. Das Stück gleitet fast unmerklich ins Jazzig-Tänzerische, wobei die Pianistin mit Fingern und Füßen den starken Taktteil betont. Dazwischen ein etwas besinnlicher Teil und zum Schluss ein dann – auch noch nach enthusiastischem Beifall wiederholter – rasend schneller Schlussteil, bei dem die Dirigentin – gleichsam wie eine Probe fürs Wiener Neujahrskonzert – das Publikum zum Mitklatschen animiert.

Nach der Pause das „De profundis“ für Streicher von Raminta Šerkšnyté (geb. 1975), ein leicht irrlichternd-irritierendes Stück mit hohen Unisono-Geigen-Einwürfen von kleinen Terzen und Sekunden. Zum Schluss das ganze Ensemble des Litauischen Nationalen Sinfonieorchesters. Mirga Gražinité-Tyla kann da aus dem Vollen ihrer interpretatorischen Raffinesse schöpfen bei Igor Strawinskys „Sacre du printemps“, auch wenn das Orchester aus ihrer Heimat hörbar nicht den Rang hat des Orchesters in Birmingham, dessen Chefin sie ist. Dennoch langer enthusiastischer Beifall.

Das Konzert war ein „Nachklang“ zum „Festival Baltikum“ des Konzerthauses – mit auch viel diplomatischer Prominenz im Parkett. Sicher ein Höhepunkt.

Foto: gf-kühn


archives

Home
DSO




Konzert Mirga Gražinité-Tyla